33 Tage bis zur Wahl: Russland diskutiert Putins Begräbnis

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„Sollte Wladimir Putin beerdigt werden? Dieses Thema wird im Internet derzeit aktiv diskutiert. Ins Gespräch gebracht hat diese Idee der Präsidentschaftskandidat Michail Prochorow. Der Geschäftsmann meint, dass eben zu dieser Frage bald ein Referendum durchgeführt werden muss. Bei den Usern stieß dies auf ein großes Echo. Klar, dass eine solche Idee wohl nicht zufällig jetzt aufkommt, wegen der Wahlen…“
Sie fühlen sich im falschen Film? Den Zuschauern eines regionalen Fernsehsenders im sibirischen Krasnojarsk mag es ähnlich gegangen sein, als ihnen die Moderatorin verkündete, es werde über ein mögliches Begräbnis des amtierenden Präsidenten diskutiert. Spätestens als schließlich der Screenshot eines Online-Artikels ins Bild kam, auf dem das Lenin-Mausoleum zu sehen war, sollte aber jedem klar geworden sein, dass hier nicht die Rede von Wladimir Wladimirowitsch, sondern von Wladimir Iljitsch – Lenin – war. Die Dame hatte sich schlicht versprochen. Dass man sich „wegen der Wahlen“ schon einmal Gedanken über ein Begräbnis des Präsidenten macht, ist dabei doch gar nicht so abwegig. Würde man es Putin etwa nicht zutrauen, sich in die Riege jener Staatsoberhäupter einzureihen, die man mit dem Füßen voran aus dem Amtssitz tragen oder mit Schimpf und Schande davonjagen muss? Mit dem Sportsgeist des passionierten Judoka scheint es jedenfalls nicht weit her zu sein, wenn man seine Reaktion auf die Massenproteste gegen die anscheinend manipulierten Parlamentswahlen betrachtet. Die Anstrengung, mit der Putin in seiner „Fernsehsprechstunde“ Ende vergangenen Jahres versuchte, die Proteste verächtlich zu machen, wirkte doch sehr wie das Eingeschnapptsein eines einstmals unangefochtenen Lieblings der Massen, der unter dem Entzug an Zuneigung doch sehr leidet.

Putin vor dem Lenin-Mausoleum (9. Mai 2001)

Putin vor dem Lenin-Mausoleum (Quelle: www.kremlin.ru)

Dass der vor nunmehr 88 Jahren verstorbene Wladimir Lenin immer noch in seinem Mausoleum auf dem Roten Platz liegen muss, spricht derweil Bände über den Zustand des Landes. Im Dezember vergangenen Jahres jährte sich die Auflösung der Sowjetunion zum 20. Mal. Und ebenso wie Lenin immer noch gleichsam unberührt von den Veränderungen, die sich seitdem vollzogen haben, in seinem Mausoleum liegt, hat sich auch das Land kaum mit der sowjetischen Vergangenheit auseinandergesetzt. Zumindest gilt dies für die herrschende Klasse – für Putin und seine Gefolgsleute, die im Zusammenbruch des totalitären Sowjetstaates in erster Linie den Verlust imperialer Größe sehen. Putin spricht derzeit im Wahlkampf von  notwendigen Veränderungen und beklagt das hohe Maß an Korruption, das die Wirtschaft des Landes bremst. Dabei hat er doch selbst in den vergangenen 12 Jahren dem Land seinen Stempel aufgedrückt wie kein anderer. Kein Wunder also, dass ihn immer mehr Menschen nicht etwa mit Lenin, sondern mit Breschnew, dem Mann des Stillstandes (russisch „Sastoi“) vergleichen.

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