Gerangel um politische MTV-Sendung und Radiosender Echo Moskaus – nervöse Medienpolitik im Vorfeld der Wahlen

Ksenija Sobtschak

Xenija Sobtschak (Quelle: A. Savin / Wikimedia Commons)

Der russische Ableger des Musiksenders MTV machte in der vergangenen Woche durch eine besondere Sendung auf sich aufmerksam. Unter der Fragestellung „Wohin führt uns Putin?“ diskutierten Oppositionelle mit Vertretern des Putinschen Systems zum Teil recht hitzig. Den Start des „Gosdep“ genannten Formats mit Moderatorin Xenija Sobtschak erklärte der Senderchef Roman Sarkissow damit, dass man die Fragen aufgreifen müsse, die der russischen Jugend auf den Nägeln brennen. Wie heute bekannt wurde, wird es jedoch so bald keine weitere Ausstrahlung von Gosdep geben. Der politische Charakter der Sendung interessiere die MTV-Zuschauer nicht, erklärte Sarkissow wenige Tage später. Der Zuschauer – so der Senderchef – „dürstet nach Unterhaltung und wartet auf den Start der neuen Staffel von ‚Ferien in Mexiko'“, einer Reality-Show. Für den seltsam plötzlichen Sinneswandel Sarkissows, der zuvor noch erklärt hatte, man werde ein Urteil über Gosdep erst dann fällen, wenn die erste Staffel über den Sender gegangen ist, hat Moderatorin Sobtschak eine Erklärung. In der nächsten Sendung sollte Andrei Nawalny auftreten. Der Blogger Nawalny, der wegen seiner teils nationalistischen Ansichten nicht unumstritten ist, gilt gleichsam als neuer Star der russischen Opposition. Angesichts dessen hatte anscheinend jemand kalte Füße bekommen. Derweil bot Alexei Wenediktow, der Chefredakteur des einzigen noch als unbeeinflusst von der Staatsmacht geltenden Radiosender Echo Moskwy (zu deutsch „Echo Moskaus“) an, die Sendung mit Nawalny könne in den Räumen des Radioprogramms aufgezeichnet werden.

Alexei Wenediktow mit Wladimir Putin

Alexei Wenediktow mit Wladimir Putin (Quelle: premier.gov.ru)

Indessen scheint der Radiosender ebenfalls unter Druck zu geraten. Erst vor kurzem hatte sich Wladimir Putin in der für ihn typischen wenig diplomatischen Art beklagt, das Programm schütte von morgens bis abends „Dünnschiss“ über ihm aus. Jetzt wurde eine vorzeitige Auflösung des Direktorenrats von Echo Moskwy angekündigt. Anscheinend sollen mehrere Vertraute des Kreml in dem Gremium platziert werden. Wenediktow sieht darin das Werk einer übereifrigen Beamtenschaft, die die Einlassungen Putins gewissermaßen als Aufforderung zum Eingreifen wahrnehmen. Ein für das Russland der „gelenkten Demokratie“ typischer Vorgang. Allzu oft macht hier der Beamteneifer eine unmittelbare Einflussnahme durch die Staatsmacht überflüssig.

Quellen: http://newsru.com/russia/14feb2012/gosdep.htmlhttp://newsru.com/russia/14feb2012/echomsk.html

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