Teddybären über Weißrussland abgeworfen: Angebliche Komplizen inhaftiert

Teddybären über Weißrussland abgeworfen: Angebliche Komplizen inhaftiert

Eine schwedische Werbeagentur hat bereits am 4. Juli mit einer spektakulären Aktion in Weißrussland auf sich aufmerksam gemacht. Mit einem Kleinflugzeug drangen zwei Aktivisten in den weißrussischen Luftraum ein und warfen dabei Teddybären mit politischen Botschaften unter anderem über Minsk ab. Obwohl das weißrussische Verteidigungsministerium offiziell immer noch den Vorfall dementiert, wurden zwei Weißrussen offenbar wegen möglicher Beteiligung an der Aktion festgenommen.

Flugroute nach MinskIm Tiefflug aus Litauen Richtung Minsk

Das Leichtflugzeug mit 2 Insassen startete von litauischem Gebiet bei Pociūnai bei Kaunas aus und drang auf weißrussisches Gebiet vor. In Medien wurde die Vermutung geäußert, dass das Fluggerät wegen der geringen Flughöhe nicht vom weißrussischen Radar erfasst wurde. Mit derselben Methode gelang 1987 dem „Kreml-Flieger“ Mathias Rust sein spektakuläres Eindringen in den sowjetischen Luftraum, das mit einer Landung auf dem Roten Platz endete.

„Teddybear Airdrop“ über Iwjanez und Minsk

Auf halber Strecke nach Minsk begannen die Aktivisten mit dem Abwurf von Teddybären, die an kleinen Fallschirmen auf Häuser, Gärten und Straßen heruntersegelten. An den Stofftieren waren politische Botschaften befestigt, die sich gegen die Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit in Weißrussland richteten. Ebenso warfen die Schweden ihre brisante Fracht über südwestlichen Wohngebieten der Hauptstadt Minsk ab. Vom ursprünglich geplanten Vordringen ins Stadtzentrum sah man spontan ab. Eine versuchte Kontaktaufnahme durch den Minsker Flughafen ließ darauf schließen, dass man entdeckt worden war, so die Aktivisten später. Nach Beendigung der Abwurfaktion kehrte das Flugzeug nach Litauen zurück.

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Weißrussisches Verteidigungsministerium dementiert

Das weißrussische Verteidigungsministerium will bis heute offiziell nichts von einer illegalen Luftraumverletzung wissen. Die Werbeagentur Studio Total, die für die Aktion verantwortlich zeichnet, legt als Beweise mehrere Videos auf Youtube vor. Diese wurden unter anderem von einem weiteren Aktivisten, der in Iwjanez vor Ort war, vom Boden aus gedreht. Inzwischen bezeugen das Geschehen auch Augenzeugenberichte, die etwa auf der Website der weißrussischen Zeitung Nascha Niwa dokumentiert werden. Die litauischen Behörden dagegen haben inzwischen die Grenzverletzung bestätigt.

Zwei Weißrussen in Haft

Offiziell streiten die weißrussischen Behörden immer noch alles ab und sprechen bezüglich der Videos und Fotos von „groben Arbeiten unter Anwendung von Photoshop- und Videomontagetechniken“. Dennoch sind nach Angaben weißrussischer Medien und Oppositionsorganisationen jedoch inzwischen zwei Weißrussen im Zusammenhang mit der Aktion festgenommen worden. Sie sitzen beim Geheimdienst KGB in Haft und werden beschuldigt sich an einem kollektiv organisierten „illegalen Grenzübertritt“ beteiligt zu haben. Der Journalistikstudent Anton Surapin geriet dabei unter Verdacht, weil er als einer der ersten auf seiner Website Fotos von gelandeten Teddys veröffentlicht hatte. Der zweite Inhaftierte ist Sjarhej Baschamirau. An der Aktion beteiligte Schweden sollen ihn zwecks der kurzzeitigen Anmietung einer Wohnung in Weißrussland kontaktiert haben. Die schwedischen Initiatoren erklärten, sie hätten bewusst auf die Beteiligung weißrussischer Bürger verzichtet, um diese nicht in Gefahr zu bringen.

Blamage für Präsident Lukaschenka

Das unbemerkte Eindringen des Kleinflugzeugs in den weißrussischen Luftraum und das Vordringen bis zur Hauptstadt stellt nicht nur innenpolitisch eine Blamage und Demütigung für die Regierung unter Präsident Lukaschenka dar. Denn die ehemalige Sowjetrepublik betreibt ihre Luftraumverteidigung gemeinsam mit dem großen Nachbarn Russland. Dass die Grenze Weißrusslands zum NATO-Staat Litauen derart löchrig ist, wird das Vertrauen Moskaus in die Fähigkeiten der Minsker Militärs nicht eben befördern.

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