Umgang mit Homosexualität: soziale Netzwerke in Russland unter Druck

Umgang mit Homosexualität: soziale Netzwerke in Russland unter Druck

Dass das soziale Netzwerk Facebook seinen schwulen und lesbischen Mitgliedern die gleichen Rechte zugesteht wie allen anderen, stößt auf den Zorn einiger orthodoxer Gruppierungen in Russland. Das russische Netzwerk „VK“ scheint da im Gegensatz zu seinem amerikanischen Konkurrenten weit weniger liberal. Wie so oft ist es aber auch hier nicht möglich, sich dem Fortschritt entgegenzustellen.

Orthodoxe gegen Facebooks „Koketterie mit Sodomiten“

Verheiratet

Verheiratet: Facebook-Mitgründer Chris Hughes (links) und Sean Eldridge (Foto: facebook.com)

Facebook zog den Zorn orthodoxer Eiferer Anfang Juli auf sich, als für die Anzeige gleichgeschlechtlicher Ehen entsprechende Symbole eingeführt wurden. Einer der ersten, der seine Partnerschaft zu einem anderen Mann auf diese Weise öffentlich machte, war Facebook-Mitbegründer Chris Hughes. Eine christliche Gruppe in Saratow forderte Facebook daraufhin auf, von solcher „Koketterie mit Sodomiten“ Abstand zu nehmen. Andernfalls werden man mit Klagen Internet-Provider im ganzen Land dazu zwingen, den Zugang zu Facebook zu sperren. Die Gruppe beruft sich dabei auf die Gesetze zum Verbot „homosexueller Propaganda“, wie sie bereits in mehreren russischen Regionen in Kraft sind. Zudem begann ihr Anführer Wladimir Rosljakowski eine Unterschriftensammlung für die Wiedereinführung der Strafbarkeit homosexueller Handlungen. Für Facebooks jüngste Verluste macht Rosljakowski die vielen Gebete russischer Christen im Zusammenhang mit der Unterschriftensammlung verantwortlich. Diese seien eine Warnung, die die Führung des Unternehmens zum Umkehren bringen solle. Wenn dies jedoch nicht geschehe, sei „Zuckerberg schon durch kein Gebet mehr zu helfen“, orakelt Rosljakowski weiter.

Russisches Netzwerk VK beugt sich dem Druck der User

Gesetze gegen "homosexuelle Propaganda" in Russland - Rot: in Kraft, Gelb: geplant

Gesetze gegen „homosexuelle Propaganda“ in Russland – Rot: in Kraft, Gelb: geplant

Dass die Frömmler aus Saratow keineswegs im Trend liegen, zeigt das Beispiel des russischen Netzwerks „V Kontakte“. Auf Druck schwuler und lesbischer User hin ergänzte „VK“ Anfang August die Möglichkeit, gleichgeschlechtliche Partnerschaften anzuzeigen. Zuvor konnten Frauen jeweils nur Männer und Männer jeweils nur Frauen bei den Angaben zum Beziehungsstatus als Partner wählen. Bei ersten Beschwerden diesbezüglich zeigte sich das soziale Netzwerk jedoch zunächst stur. Als Antwort auf eine entsprechende Anfrage musst ein User z. B. lesen: „In der Russischen Föderation sind gleichgeschlechtliche Ehen verboten. Dementsprechend auch auf unserer Seite. Ändern Sie Ihr Geschlecht, wenn Sie möchten.“ Den Ratschlag, um der Angabe des korrekten Beziehungsstatus willen auf der Seite ein anderes Geschlecht anzugeben, empfanden viele Schwule und Lesben verständlicherweise als beleidigend. Auch der Verweis auf die Gesetzeslage überzeugte nicht. Schließlich sind nur gleichgeschlechtliche Eheschließungen, nicht aber entsprechende Beziehungen verboten. Eine Boykottdrohung und die Aussicht, dass viele betroffene User zum liberaleren Konkurrenten Facebook wechseln könnten, zeigte schließlich schnelle Wirkung. Am 3. August wurde gemeldet, dass bei VK ab sofort auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften angegeben werden können. Eheschließungen sind hier jedoch auch weiterhin nur zwischen Frau und Mann möglich. Seine ambitionierten Zukunftspläne ließen dem Netzwerk im Grunde auch keine andere Wahl. Erst kürzlich erfolgte die Umbennenung von „V Kontakte“ (dt. „in Kontakt“) zu „VK“ mit dem Ziel demnächst auch außerhalb Russlands als Facebook-Alternative Fuß zu fassen. Da gibt man sich lieber kosmopolitisch. Das Image eines homophob-provinziellen Netzwerks wäre bei der Expansion sicher nicht förderlich.

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