Femen: Mit Motorsägen in den Heiligen Krieg

Femen: Mit Motorsägen in den Heiligen Krieg

Kurz vor Bekanntgabe des Urteils gegen die drei angeklagten Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot wollten Aktivistinnen der ukrainischen Feministinnengruppe FEMEN ein Zeichen setzen: sie sägten in Kiew ein Holzkreuz um. In Russland findet die Frauengruppe jetzt Nachahmer.

„Sie kam, zog sich aus und siegte!“

Femen-Plakat

Femen vs. Kirill
(Quelle: femen.livejournal.com)

Das Markenzeichen von FEMEN sind zwei stilisierte weibliche Brüste. Nicht ohne Grund, denn bei ihren Aktionen erregen die Frauen stets auf einfache, aber wirksame Weise Aufsehen: sie kommen mit freiem Oberkörper. So war es auch am 17. August, dem Tag an dem in Moskau das Urteil gegen die drei Frauen von Pussy Riot verkündet werden sollte. Kurz vorher brachte die FEMEN-Aktivistin Inna Schewtschenko in Kiew ein großes Holzkreuz zu Fall. Mit diesem „Trash-Gebet“ (so benannt in Anlehnung an Pussy Riots „Punk-Gebet“ in der Christ-Erlöser-Kathedrale“) sollte Solidarität mit den „Opfern des Kreml- und Popenregimes“ geübt werden. Das inzwischen provisorisch wiedererrichtete Kreuz, das unweit des symbolträchtigen Unabhängigkeitsplatzes steht, erinnert an die Opfer des Stalinterrors.

„Mit dieser Tat ruft Femen alle gesunden Kräfte der Gesellschaft auf, aus ihrem Gehirn die verfaulten religiösen Vorurteile herauszusägen, die der Diktatur als Stütze dienen und die Entwicklung der Demokratie und der Freiheit der Frauen behindern.“

Kreuzfällung in Kiew

Kreuzfällung in Kiew
(Quelle: femen.livejournal.com)

Bereits im Juli waren Femen mit einer kirchenkritischen Aktion von sich Reden gemacht. Eine der „Femenistinnen“ begrüßte den russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill auf dem Kiewer Flughafen mit den Worten „Hau ab!“. Auf dem Rücken ihres – selbstverständlich nackten – Oberkörpers stand in Englisch zu lesen: „Kill Kirill“. Die Frau kam im Vergleich zu ihren russischen „Kolleginnen“ von Pussy Riot glimpflich davon – mit nur 15 Tagen Arrest.

Nach der Fällaktion in Kiew kündigten Femen in ihrem Blog an, die Gruppe „Kreuzfällung“ (russ. „Крестоповал“) werde sich nun zu einer Russland-Tour aufmachen, die zu den „Stätten orthodoxer Holz-Baukunst Russlands“ führen solle. Am Wochenende wurden schon mehrere „gefällte“ Kreuze in Russland gemeldet – offenbar das Werk unbekannter Nachahmer der ukrainischen Polit-Aktivistinnen. Betroffen waren das Dorf Smelowski in der Oblast Tscheljabinsk sowie die nordrussische Stadt Archangelsk.

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