Georgien: russischsprachiger TV-Sender "PIK" beendet Sendebetrieb

Georgien: russischsprachiger TV-Sender „PIK“ beendet Sendebetrieb

Nach einigem Hin und Her in den vergangenen Tagen hat der russischsprachige Fernsehsender PIK TV am 20. Oktober seinen Sendebetrieb eingestellt. Das Programm galt als Sprachrohr von Präsident Saakaschwili. Ob die Schließung von PIK TV mit dem Machtwechsel in Georgien zusammenhängt, wird heiß diskutiert. Derweil kämpft die Belegschaft für eine Wiederaufnahme der Sendungen.

Ende ohne Vorwarnung

Nachrichtenmoderatoren von PIK

Nachrichtenmoderatoren von PIK
(Quelle: www.pik.tv)

In den letzten Tagen hatte es bereits einige Anzeichen dafür gegeben, dass die Situation von PIK TV nicht besonders gut ist. Nachdem die für den Auslandssender bedeutende Übertragung via Satellit unterbrochen worden war und Löhne einbehalten wurden, protestierten die Mitarbeiter dagegen – teils vor laufender Kamera. So wurde die Spätausgabe der Nachrichten am 15. Oktober von den Moderatoren schweigend präsentiert. Daraufhin sicherte man dem Sender eine Finanzierung mindestens bis Jahresende zu und begann mit der Auszahlung des ausstehenden Lohns. Wenige Tage später jedoch, am 20. Oktober, wurde der Sendebetrieb unversehens und ohne Vorwarnung eingestellt. Als Begründung nannte die öffentlich-rechtliche Muttergesellschaft die eingemächtige Wiederaufnahme der Sendungen über Satellit sowie die Proteste der Mitarbeiter vor laufender Kamera.

Spekulationen um politische Hintergründe

In Georgien wird unterdessen über die wahren Hintergründe der Entscheidung spekuliert. Da der Sender nur kurze Zeit nach der Niederlage Präsident Saakaschwilis in Schwierigkeiten geraten ist, legt die Vermutung nahe, dass die Gründe politischer Natur sein könnten. PIK TV galt schließlich als Sprachrohr des autoritär regierenden Präsidenten. Der Sender richtete sich vor allem an die russischsprachige Bevölkerung im Kaukasus, die außerhalb des Einflussbereichs der Tifliser Regierung leben. Gemeint sind ebenso die Einwohner der von Georgien abgespaltenen Regionen Abchasien und Südossetien wie die Bevölkerung der russischen Teilrepubliken im Nordkaukasus. Saakaschwili sagte man nach, er habe mit dem Programm seinen Erzfeind Putin ärgern wollen. Da erscheint die Vermutung naheliegend, dass die neue Regierungspartei Georgiens, die sich eine Verbesserung der Beziehungen zu Moskau, auf die Fahnen geschrieben hat, den Fernsehmachern aus politischen Gründen den Saft abgedreht haben könnte.

Freude über Sendeschluss auf russischer Seite

TV-Sendung "Kaukasisches Porträt mit Alla Dudajewa"

TV-Sendung „Kaukasisches Porträt mit Alla Dudajewa“
(Quelle: www.pik.tv)

Dass der Sendeschluss in Tiflis auf russischer Seite nicht unbedingt bedauert wird, liegt auf der Hand. Auf den kremlkritischen Fernsehsender hätte man angesichts der ohnehin instabilen Lage im russischen Nordkaukasus sicher gern verzichtet. Doch die Fernsehjournalisten bemühten sich auch über den Tellerrand des Kaukasus hinweg, weiter nach Norden zu sehen. So hatte nicht nur Alla Dudajew, die Witwe des tschetschenischen Separatistenführers Dschochar Dudajew, ihre eigene Sendung bei PIK TV, sondern auch die russische Moderatorin und Oppositionsaktivistin Ksenija Sobtschak, die mit dem Kaukasus wenig verbindet.

Mitarbeiter sehen sich als Opfer der Korruption

Allerdings sollte man nicht zu schnelle Schlüsse ziehen. Denn auch nicht alle Mitarbeiter von PIK TV vermuten die Politik hinter der Entscheidung. Vielmehr haben sie den Verdacht, dass es um Geld geht und hier jemand das Budget des Senders in andere Projekte bzw. Taschen umleiten will. Zudem äußerten sich auch Politiker der Partei von Wahlsieger Bidsina Iwanischwili wohlwollend über PIK TV und bejahen die Notwendigkeit russischsprachigen Fernsehens in Georgien.

Verlust für die Medienvielfalt

Auch wenn der Vorwurf des tendeziösen Journalismus berechtigt sein könnte, wäre das Ende von PIK TV ein Verlust für die Medienvielfalt im postsowjetischen Raum und vor allem im Kaukasus. Vor allem angesichts der Zustände im russischen Nordkaukasus ist eine Berichterstattung aus alternativer Sicht besonders wichtig. Dabei mag es stimmen, dass es der Sender nicht geschafft hat, im Zielgebiet ein Publikum von relevanter Größe zu erreichen. Die nicht einmal zwei Jahre, die man auf Sendung war, sind dafür jedoch auch ein recht kurzer Zeitraum. Die Mitarbeiter kämpfen derzeit mit Petitionen und Protestaktionen für eine Wiederaufnahme des Sendebetriebs.

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