nordkoreanische flüchtlinge kehren zurück

Nordkorea holt Flüchtlinge zurück

In der südkoreanischen Großstadt Daegu staunte man nicht schlecht als in der vergangenen Woche zwei seiner Bürger im nordkoreanischen Fernsehen auftauchten. Die beiden waren gemeinsam mit ihrem zweijährigen Sohn in den Staat zurückgekehrt, aus dem sie einst geflohen waren. In Südkorea rätselt man nun darüber, was das Paar zur Rückkehr bewogen haben könnte.

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Rückkehrer geben Pressekonferenz in Pjöngjang

Zurück in Nordkorea traten die 29-jährige Ko Jong-nam und der 27-jährige Kim Kwang-hyok die angeblichen Beweggründe für ihre Rückkehr. Sie seien desillusioniert vom wahren Wesen der südkoreanischen Gesellschaft. Diese bezeichneten sie als „korrupt und betrügerisch“. „Freundliche, menschliche Gefühlsregungen könne man nirgends finden“ im „ungerechten und ungleichen“ Südkorea. Man sei auch des Sohnes wegen in den Norden zurückgekehrt. Ihn hätte in Südkorea ein Leben als Ausgestoßener erwartet. 

Zweifel an der offiziellen Version der Geschichte

Nicht nur Familienangehörige, Freunde und Bekannte des Paares bezweifeln, dass dies die wahren Gründe für die Rückkehr sind. Auch Unbeteiligte glauben den inszenierten Charakter der Pressekonferenz zu erkennen. Zudem gibt es Widersprüche, die an der Freiwilligkeit der Rückkehr zweifeln lassen. So wird in Daegu berichtet, Kim Kwak-hyok sei in den letzten Jahren zu einem überzeugten Katholiken geworden. Der Wunsch, ins atheistische Nordkorea zurückzukehren, wo Christen für ihren Glauben im Lager einsitzen, ist da nicht besonders nachvollziehbar. Ehefrau Ko Jong-nam stand kurz davor eine Arbeitsstelle als Krankenschwester anzutreten, bevor das Paar verschwand.

Pjöngjang schürt Angst vor dem Leben im Süden

Dass Flüchtlinge aus dem Norden im Süden der koreanischen Halbinsel durchaus mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, kann nicht geleugnet werden. Geprägt von der Fürsorge- und Kommandogesellschaft der kommunistischen Volksrepublik tun sie sich schwer, sich im Kapitalismus zurechtzufinden. Mit dem, was sie in ihrer Heimat gelernt haben, können sie im Süden nichts anfangen. So leben in der Tat viele am Rande der Gesellschaft. Auch für Kim Kwak-hyok lief es nicht unbedingt gut: er litt an Tuberkulose und konnte deshalb nicht arbeiten. Dafür ist aber wohl eher die nordkoreanische Mangelwirtschaft, in der Kim aufwuchs, verantwortlich zu machen, als das wohlhabende Südkorea.

Verstärkte Bemühungen um Rückkehr von Flüchtlingen

Nordkorea ist derzeit offenbar besonders darum bemüht, Flüchtlinge zur Rückkehr aus dem verfeindeten Südkorea zu bewegen. Bereits im Sommer diesen Jahres hatte es eine ähnliche Pressekonferenz gegeben. Damals berichtete Pak Jong-suk, eine ältere Dame über die schlimmen Zustände im Süden und lobte den neuen nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un in höchsten Tönen. Die Absurdität der Szenerie gipfelte darin, dass die Frau mit zum Himmel gestreckten Armen ihren Dank gegenüber Kim Jong-un ausrief. Die Pressevertreter bedachten dieses Bekenntnis sogleich mit Applaus. Am Ende wurde gar noch vor laufenden Kameras ein Lied angestimmt. Medienberichten zufolge, soll die Frau, die jahrelang in Südkorea gelebt hatte, herzzerreißende Geschichten über das Schicksal ihres Sohnes im Norden gehört haben. Dieser sollte demnach aus der Hauptstadt Pjöngjang in die Provinz verbannt worden sein.

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Der Wert der Rückkehrer für das Regime

Die alten Propagandalügen vom armen Süden und dem Paradies auf Erden, in dem die Nordkoreaner angeblich leben, überzeugen heute niemanden mehr. Das Informationsmonopol, das der Staat unter seinem Gründer Kim Il-Sung einmal hatte, ist heute längst löchrig geworden. DVDs mit südkoreanischen Fernsehserien und Filmen können die Nordkoreaner heute auf dem Schwarzmarkt erwerben. Jeder weiß so, wie das Leben in Südkorea wirklich aussieht und wie viel wohlhabender die Landsleute dort sind. Daher setzt das Regime jetzt auf eine andere Karte. Reuige Rückkehrer sollen den Daheimgebliebenen erzählen, wie schlecht es ihnen ergangen ist, wie sie als Nordkoreaner diskriminiert und gedemütigt wurden.

Kampagne der nordkoreanischen Staatssicherheit

Der Staatssicherheitsdienst der „Demokratischen Volksrepublik Korea“ betreibt derzeit eine gezielte Kampagne, um Flüchtlinge zur Rückkehr zu bewegen. Darüber berichtet die Seite Daily NK mit Bezug auf Quellen im nordkoreanischen Sicherheitsapparat. Im Fokus sind dabei vor allem solche ehemaligen Staatsbürger, die sich in Fluchthilfeorganisationen engagieren. Diese sind oftmals an der Grenze zu China unterwegs und versuchen per Mobilfunk Kontakt zu Mittelsmännern und Fluchtwilligen in Nordkorea aufzunehmen. Dank entsprechendem Equipment ist es für die nordkoreanische Stasi dann kein Problem, die Anrufer zu lokalisieren und auch auf chinesischem Gebiet an sie heranzutreten. Häufig kommen dabei auch im Norden zurückgebliebene Angehörige zum Einsatz. Diese werden teilweise unter Androhung von Gewalt dazu gebracht, die Abtrünnigen zur Rückkehr zu überreden.

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