Wladimir Jakunin

In Deckung: Putin-Vertrauter Jakunin geht auf Distanz zu spektakulärer Wahlfälschungs-Studie

Man hatte es fast schon erwartet: Nachdem ein Kreml-nahes Institut am Wochenende eine Studie vorgestellt hatte, nach der die Parlamentswahlen im Jahr 2011 gefälscht gewesen sein sollen, wird jetzt kräftig zurückgerudert. Wladimir Jakunin, Putin-Vertrauter und Chef des besagten Zentrums für Governance und Problemanalyse will mit der ganzen Sache nichts zu tun haben. Andere Kuratoriumsmitglieder zweifeln die Stichhaltigkeit der Untersuchungsergebnisse an.

Wilde Spekulationen über die Hintergründe der Veröffentlichung

Wladimir Jakunin 2010 in Armenien

Wladimir Jakunin 2010 in Armenien
(Quelle: PanARMENIAN Photo / flickr.com)

Wladimir Jakunin, der Chef der russischen Eisenbahnen, gilt als eine der wichtigsten Vertrauten Putins und ein wichtiger Unterstützer seiner Herrschaft. Dass ausgerechnet ein Institut unter seiner Führung eine Studie veröffentlicht, deren Ergebnisse die Kommunisten als eigentliche Sieger bei den Parlamentswahlen dastehen lassen und damit eine massive Manipulation zugunsten der Putin-Partei implizieren, hatte zu Überraschung und wilden Spekulationen über die Gründe geführt. Dass die Untersuchungsergebnisse selbst in der russischen Öffentlichkeit nicht zu Verwunderung und Empörung führen, spricht – nebenbei bemerkt – für sich selbst. Nach einigen Tagen des Schweigens äußert sich Jakunin jetzt in seinem Livejournal-Blog. Sowohl Inhalt als auch Veröffentlichung der Studie seien demnach „inakzeptabel“.

Jakunin distanziert sich von Inhalt und Veröffentlichung

Jakunin erinnert in seinem Statement daran, dass die Mitarbeiter des Instituts zum Teil ihre eigenen Projekte verfolgten. So sei es auch bei diesem gewesen. Nachdem ihm die Ergebnisse der Studie vorgetragen worden seien, habe man beschlossen, dass diese nicht im Namen des Zentrums für Governance und Problemanalyse veröffentlicht werden solle. Grund seien Zweifel an der Verlässlichkeit der angewandten Untersuchungsmethode gewesen. An die Weisung habe sich jedoch offensichtlich jemand nicht gehalten. Und um sich noch einmal persönlich von der Studie zu distanzieren, schreibt Jakunin: „Meinen Namen mit der vorgestellten Arbeit in Verbindung zu bringen, entbehrt jeder Grundlage.“

Instituts-Direktor Sulakschin unter Beschuss

Generaldirektor Sergej Sulakschin

Generaldirektor Sergej Sulakschin
(Quelle: Zentrum für Governance und Problemanalyse)

Die Studie, die die Ergebnisse der Parlamentswahl mit mathematischen Methoden prüft, wurde dabei nicht etwa von einem einfachen Mitarbeiter des Instituts verantwortet, sondern von Stepan Sulakschin, Generaldirektor und nach Jakunin zweiter Mann in der Hierarchie der Einrichtung. Kuratoriumsmitglieder, wie etwa der Abgeordnete des Föderationsrates Sergej Schtscheblygin, stellen nun bereits indirekt die Frage, ob Sulakschin der richtige Mann auf dem Posten ist.

„Fehler in der Arbeit dieses Wissenschaftlers sind eine Sache, eine andere Sache wäre es, wenn wir feststellen würden, dass hier ein anderes, nicht-wissenschaftliches Interesse im Spiel ist – dann müssten wir, die Kuratoriumsmitglieder, uns überlegen, wie wir auf diese ganze Situation reagieren.“

Spekulationen auch über Zeitpunkt der Veröffentlichung

Dafür, dass die Studie überhaupt erst jetzt veröffentlicht wurde, sehen einige russische Medien einen klaren Grund. Anfang März ist ein Jahr seit den letzten Präsidentschaftswahlen verstrichen. Nach verstreichen dieser Frist, so schreibt die Zeitung „Moskowski Komsomolez“, werden die Wahlzettel vernichtet. Dieser Logik folgend wollte man nicht das Risiko eingehen, auch die Präsidentschaftswahl in Zweifel zu ziehen, bevor nicht die Möglichkeit einer erneuten Stimmauszählung verstrichen wäre.

Seltsam zahme Kommunisten

Proteste zur Parlamentswahl 2011, Demonstrantin mit Plakat

„Wir sind Bürger der Russischen Föderation – Wir haben eine Stimme“ – Proteste zur Parlamentswahl 2011
(Quelle: Max Mayorov / flickr.com)

Mit ihrer Reaktion auf die Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse zeigen die russischen Kommunisten einmal mehr ihre seltsame Zerrissenheit zwischen Opposition und stillschweigender Unterstützung der herrschenden Verhältnisse. Zwar sind durchaus zahlreiche Einzelstimmen aus der Partei zum Thema zu hören. Der große Aufschrei bleibt jedoch aus. Dabei hatte doch die Studie konstatiert, dass eigentlich die KP als stärkste Kraft aus den Parlamentswahlen hervorgehen hätte müssen, jedoch durch Putins Einiges Russland um den Wahlsieg betrogen wurde. Und das, nachdem erst vor einem Jahr Dmitri Medwedew verlautbarte, auch die Präsidentschaftswahl 1996 seien zu Ungunsten der Kommunisten gefälscht gewesen. Auf der Website der KPRF herrscht seltsamerweise aber auch in diesen Tagen „Business as usual“.

– newsru.com: Якунин спустя два дня сообразил: доклад Сулакшина о победе КПРФ на выборах-2011- неприемлемый

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