Der erfolgreichste Autor der Ukraine

Der erfolgreichste Autor der Ukraine

Als mächtigster Mann der Welt gilt gemeinhin der Präsident der USA. Entsprechend geht man davon aus, dass dieser Posten gut bezahlt sein sollte – und nicht zu unrecht. Wollte man aber umgekehrt vom Einkommen eines Staatsoberhauptes auf seine Macht schließen, so müsste man das wahre Machtzentrum der internationalen Politik wohl in Kiew vermuten. Auch Russland sollte dann Respekt vor der Macht der Ukraine haben – und nicht etwa andersherum. Dies gilt zumindest derzeit, denn der jetzige Staatspräsident Wiktor Janukowitsch bringt es mit seinem Einkommen auf das Vierfache dessen, was Barak Obama verdient und auf das Zwölffache der Einkünfte des russischen Präsidenten Putin.

Fantastisches Einkommen aus Autorenhonoraren

Wiktor Janukowitsch

Wiktor Janukowitsch – erfolgreichster Schriftsteller seines Landes
(Bild: Bohan Shen_沈伯韩 / flickr.com)

Wie bei bekannten Politikern nicht unüblich, geht ein Teil der Einnahmen des ukrainischen Präsidenten auf Autorenhonorare zurück. Bei Wiktor Janukowitsch allerdings ist dieser Teil besonders groß. Innerhalb zweier Jahre brachte es dieser auf 32 Millionen Hrywnja, umgerechnet etwa 3 Millionen Euro, an Tantiemen aus einem Autorenvertrag. Ukrainische Journalisten errechneten aus dieser Summe, dass bei den üblichen Konditionen solcher Verträge von etwa 6,4 Millionen verkauften oder noch zu verkaufenden Exemplaren auszugehen wäre. Für den ukrainischen Buchmarkt ist das eine wahrhaft märchenhafte Zahl. Denn der Jahresrekord, den die populärste lebende Schriftstellerin des Landes, Simona Wilar, unlängst aufstellte, liegt bei 209.000 verkauften Büchern. Und diese Zahl wurde zudem mit insgesamt 15 verschiedenen Titeln erreicht.

Unter Vertrag bei einer Werbedruckerei

Als wären die Dimensionen der von Janukowitsch erzielten Honorare noch nicht seltsam genug, lässt auch der Vertragspartner des Präsidenten stutzig werden. Denn dieser ist nicht etwa ein Verlag, wie man annehmen würde und wie es üblich ist. Nein, das Staatsoberhaupt der Ukraine hat einen Vertrag mit einer Druckerei in seiner ostukrainischen Hochburg Donezk abgeschlossen. Auf der Website dieses Unternehmens mit dem Namen „Nowy Mir“, zu deutsch „Neue Welt“, werden die angebotenen Dienstleistungen vorgestellt. Der Druck oder gar die Herausgabe von Büchern gehört offenbar nicht zum Tagesgeschäft. In erster Linie werden hier Werbemittel wie Broschüren und Kataloge sowie Verpackungen produziert, aber auch Zeitungen und Zeitschriften gedruckt – als Auftragsproduktionen versteht sich.

Janukowitschs unsichtbare Bestseller

Ukrainische Buchhandlung

Ukrainische Buchhandlung
(Bild: Notacat/flickr.com)

Nimmt man die offiziellen Angaben des ukrainischen Präsidenten zu seinem Einkommen für bare Münze, so sollten sich in den Buchhandlungen und Bibliotheken des Landes Werke Janukowitschs finden, die vom Verlag, pardon, der Druckerei „Nowy Mir“ verlegt wurden. Von diesen – den Honoraren nach – „Bestsellern“ fehlt jedoch jede Spur. Zweifelsohne hat Wiktor Janukowitsch in den letzten Jahren einiges veröffentlicht, jedoch bei anderen Verlagen und bei weitem nicht in einer Auflage, die die astronomischen Zahlungen aus Donezk erklären würden. Die Erklärung, dass das Honorar auch für noch zu schreibende Titel geleistet wurde, überzeugt da wenig. Schließlich zählen Fachbücher und Autobiographien aus der Feder von Politikern in der Regel nicht zu den Büchern, die reißenden Absatz finden. Dass Janukowitsch überhaupt sein Einkommen offenlegen musste, was die Spekulationen über seinen Autorenvertrag verursacht hat, steht festgeschrieben in Artikel 12 des Gesetzes „Über die Grundlagen der Verhinderung und Bekämpfung der Korruption“…

ZN,UA: Непечатный Янукович
ZN,UA: Типография, заплатившая Януковичу 32 млн гривен гонорара, не занимается книгоизданием

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