Umfrage: Lässt Klitschko Janukowitsch hinter sich?

Umfrage: Lässt Klitschko Janukowitsch hinter sich?

Kann Boxer Vitaly Klitschko Präsident Janukowitsch gefährlich werden und ihn womöglich auf die Bretter schicken? Das ist wohl eine der spannendsten Fragen, die die ukrainische Politik derzeit aufzubieten hat. Neueste Umfragen sehen Klitschko jetzt gleichauf mit dem umstrittenen Präsidenten – allerdings auf niedrigem Niveau. Letzteres ist jedoch nicht ungewöhnlich für Ergebnisse von Umfragen zur politischen Präferenz in der Ukraine.

Klitschko auf dem aufsteigenden Ast

Hoffnungsträger der Opposition: Vitali Klitschko auf einer Wahlkampfveranstaltung 2012

Hoffnungsträger der Opposition: Vitali Klitschko
(Quelle: Marco Residori / flickr.com)

Der neuesten Erhebung des Instituts GfK Ukraine zufolge kommen Janukowitsch und Klitschko so auf 16%, d. h. jeweils 16% der Befragten würden für einen der beiden stimmen, wenn am nächsten Sonntag Präsidentschaftswahl wäre. Die niedrigen Werte für die beiden Umfragesieger erklären sich auch dadurch, dass jener Teil der Wählerschaft bei der Berechnung der Anteile mitgerechnet wird, der erklärt, nicht wählen gehen zu wollen. Bemerkenswert an den Werten ist die Tendenz im Vergleich zur Umfrage vom März: während Janukowitschs Zustimmungswerte stabil bleiben, holt Klitschko um satte 6% auf.

Klarer Sieg in einer möglichen Stichwahl

Janukowitschs inhaftierte Erzrivalin, Julia Timoschenko, kommt auf 9%, der Anführer der rechtspopulistischen Partei Swoboda, Oleh Tjahnybok, erreicht 5% und Ex-Parlamentspräsident Arsenij Jazenjuk 3%. Würde Janukowitsch in einer Stichwahl gegen Klitschko antreten müssen, was den Zahlen zufolge sehr wahrscheinlich wäre, dann würde Klitschko Wählerpotenzial der anderen Oppositionskandidaten auf sich vereinen können. Entsprechend kommt laut Umfrage ein komfortabler Vorsprung dabei heraus: für Klitschko würden 38% stimmen, dagegen nur 19% für Janukowitsch. 24% der Befragten würden in diesem Fall nicht zur Wahl gehen, 19% konnten keine eindeutige Antwort auf die Frage geben, ob und wenn ja, für wen sie stimmen würden.

Klitschkos „UDAR“ liegt schon vor der Partei der Macht

Bild von Präsident Wiktor Janukowitsch auf dem Weltwirtschaftsforum

Demnächst in Bedrängnis? Wiktor Janukowitsch
(Quelle: World Economic Forum)

Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich bei der Umfrage zur Parlamentswahl. 17% der Befragten würden hier für Klitschkos Partei „UDAR“ stimmen – 3% mehr als im März. Janukowitschs Partei der Regionen folgt auf dem zweiten Platz mit 16%, Timoschenkos Batkiwschtschyna kommt auf 11%, Swoboda auf 8% und schließlich die Kommunisten auf 4%. Dass sie auf der Position der stärksten Partei nicht mehr unangefochten ist, kann die Partei der Regionen nicht kalt lassen. Schließlich konnte sie bei den letzten Wahlen nur deshalb die Parlamentsmehrheit erringen, weil bei der Verteilung der Sitze auch das Mehrheitswahlrecht zur Anwendung kommt – aufgrund einer von der Regierung selbst zu diesem Zweck vorgenommenen Wahlrechtsänderung. Währenddessen kam eine Umfrage eines anderen Instituts ebenso zu einem Ergebnis, das für die derzeitige Staatsführung nicht eben schmeichelhaft ist. Demnach fanden satte 65,7% der Befragten, dass sich ihr Land derzeit eher in die falsche Richtung entwickle.

Kann Klitschko gegen Janukowitsch antreten?

So gut es jedoch für Klitschko aussehen mag – die ukrainische Verfassung könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Diese sieht nämlich vor, dass nur derjenige zum Präsidenten des Landes gewählt werden kann, der in den letzten 10 Jahren im Inland gelebt hat. Klitschko, der als Profiboxer lange Zeit in Deutschland aktiv war, erfüllt dieses Kriterium womöglich nicht. Die nächsten Präsidentschaftswahlen finden in der Ukraine voraussichtlich im März 2015 statt. Ob sich die Klitschkos Popularitätswerte für einen anderen Kandidaten der Opposition in gleichem Maße nutzen lassen?

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