Epocha Putina

Falscher Film: sibirischer TV-Kanal schickt Putin-kritische Reportage auf Sendung

Dokumentation "Die Ära Putin"

Dokumentation „Die Ära Putin“
(Quelle: Youtube)

Panik in einem sibirischen Fernsehstudio: während einer Nachrichtensendung ging nicht der geplante Einspielerfilm über den neuen Computertomographen im örtlichen Krankenhaus auf Sendung, sondern die kremlkritische Doku „Die Ära Putin“. Da kamen Fakten zur Sprache, die der Zuschauer des Kanals „Wostotschny ekspress“ (dt. „Ost-Express“) in Tscheljabinsk sonst nicht zu Gehör bekommt. O-Ton: „Die Ära Putin – sie hat Russland die Kritik aller internationalen Menschenrechtsorganisationen eingebracht. Die Journalistinnen Anna Politkowskaja und Natalja Estemirowa wurden ermordert, der Jurist Sergei Magnitski kam um, der Unternehmer Michail Chodorkowski landete hinter Gittern. Unter Wladimir Wladimirowitsch Putin sind Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, die Freiheit an sich ganz und gar nicht willkommen. Die Korruption hat in der Ära Putin unvorstellbare Maßstäbe erreicht. Heute steht Russland, was das Ausmaß der Bestechlichkeit angeht, in einer Reihe mit Uganda und Togo.“

In die Tscheljabinsker Wohnstuben drang außerdem die brisante These, die Beliebtheit des Präsidenten sei dank seines Versprechens, die Terroristen notfalls „auf dem Abort umzulegen“, „ebenso schnell explodiert wie die Häuser in Bujnaksk und Moskau“. Bekanntlich vermuten nicht wenige, dass der Geheimdienst FSB Urheber der Terroranschläge auf Wohnhäuser in Moskau und anderen Städten im Jahr 1999, kurz vor Beginn der Präsidentschaft Putins war. Demnach sollte dem designierten Nachfolger Jelzins die Gelegenheit gegeben werden, sich als starker Mann zu profilieren.

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Etwa zwei Minuten lief der Anti-Putin-Film über den Sender. Erst dann brach die Ausstrahlung ab und Wostotschny ekspress zeigte zunächst als Pausenfüller Eigenwerbung. Die laufenden Nachrichtensendung wurde nicht mehr fortgesetzt. Bei dem ungewollt gesendeten Material handelt es sich wohl um eine Produktion des ehemaligen georgischen Fernsehsenders „PIK“, der einst als russischsprachiges Gegenprogramm zu den Moskauer Staatssendern gedacht war und sich an Zuschauer im Kaukasus richtete.

Wie russische Medien aus dem Umfeld des Fernsehsenders erfahren haben wollen, hatte ein ehemaliger Mitarbeiter die Nachrichtensendung sabotiert. Wostotschny ekspress prüft nun rechtliche Schritte gegen den Regisseur, der wohl noch eine Rechnung mit dem Sender offen hatte.

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