Skandal-Rektor Melnyk: Wegen Bestechung in Haft

Skandal-Rektor Melnyk: Wegen Bestechung in Haft

Petro Melnyk

Petro Melnyk vor Studenten
(Quelle: Youtube / 5channel)

Der mehrfach durch skandalöse Ausfälle im Umfeld ukrainischer Wahlen aufgefallene Universitäts-Rektor Petro Melnyk wurde am 27. Juli festgenommen. Ihm wird zur Last gelegt, für die Zulassung zum Studium an seiner Hochschule, der „Nationalen Universität des staatlichen Steuerdienstes der Ukraine“, Schmiergeld genommen zu haben. Eltern hatten für die Immatrikulation in einem Fall 40.000, in einem anderen 80.000 Hrywnja (ca. 3.700 bzw. 7.400 €) gezahlt. Melnyk wurde im Moment der Geldübergabe von Beamten einer mit der Bekämpfung organisierter Kriminalität befassten Polizeibehörde festgenommen. Bei einer Durchsuchung seines Büros wurden weitere 30.000 US-Dollar gefunden.

Der ehemalige Rada-Abgeordnete Petro Melnyk hat bereits einiges auf dem Kerbholz. Bei den Präsidentschaftswahlen 2004 drängte er Studierende dazu, ihre Stimme für seinen Parteifreund Wiktor Janukowytsch abzugeben. Ein Video zeigt ihn, wie er kaum verhohle drohte, wer das nicht wolle, solle „wegfahren und wegbleiben“. Ein ähnliches Spiel trieb Melnyk bei den Parlamentswahlen 2012, bei denen er selbst als Kandidat antrat. Kurz zuvor war er bei den Kommunalwahlen im März 2012 durch einen tätlichen Angriff auf eine Oppositionspolitikerin in die Schlagzeilen geraten.

Dass Petro Melnyk jetzt über seine Verfehlungen stürzt, ist begrüßenswert. Andererseits jedoch kommt dies natürlich reichlich spät. Gäbe es in der Ukraine eine nennenswerte demokratische Kultur, so wäre Melnyk schon 2004, bei seinem Versuch die Wahlentscheidung seiner Studenten zu manipulieren, von einer Welle der Empörung hinweggefegt worden. Zwar wurde danach mehrfach versucht, Melnyk abzusetzen, allerdings ohne Erfolg. Manch einer wundert sich denn auch über den Zeitpunkt und glaubt nicht daran, dass es bei der Angelegenheit wirklich darum geht, einem korrupten Rektor das Handwerk zu legen. Der Oppositionspolitiker Arsenij Jazenjuk vermutet, es gehe eher darum, Ministerpräsident Mykola Asarow zu schaden und ihn womöglich aus dem Amt zu drängen. Petro Melnyk soll ein enger Freund Asarows sein.

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