Schon jetzt fast wertlos: eine Handvoll weißrussische Rubel

Weißrussland vor neuer Währungskrise?

Der Wirtschaftsexperte Leonid Slotnikow erwartet eine neue Krise in Weißrussland wie es sie bereits 2011 gegeben hat. Damals verlor der weißrussische Rubel binnen kurzer Zeit massiv an Wert. Musste man für 1 Euro Anfang 2011 knapp 4.000 Rubel bezahlen, so waren es Ende des Jahres 11.000 Rubel und damit mehr als doppelt soviel. Nach diesem Kursrutsch blieb die weißrussische Währung relativ stabil. Heute bekommt man gut 12.000 Rubel für einen Euro.

Schon jetzt fast wertlos: eine Handvoll weißrussische Rubel

Schon jetzt fast wertlos: eine Handvoll weißrussische Rubel

Die weißrussische Regierung fürchtet kaum etwas mehr als den Volkszorn, den eine massive Geldentwertung und ein damit verbundener Absturz des Lebensstandards hervorrufen könnten. Daher tut die weißrussische Nationalbank alles, um die in Umlauf befindliche Geldmenge klein zu halten und so die Inflation einzudämmen. Ein fantastisch hoher Referenzzinssatz von 23,5 % soll Anreiz geben, das Geld auf den Konten zu lassen.

Während die Geldpolitik hinsichtlich der Inflationsbekämpfung Erfolge zeigt – die jährliche Rate der Geldentwertung liegt bei für weißrussische Verhältnisse moderaten 7% – hat sie auf die Wirtschaftsentwicklung fatale Auswirkungen. Die Wettbewerbsfähigkeit einheimischer Waren sinkt rapide. Ablesen lässt sich dies etwa an den Verkaufszahlen von Fernsehgeräten. Laut Slotnikow lag der Anteil von Geräten aus ausländischer Produktion an der Gesamtzahl der verkauften Fernseher im letzten Jahr noch bei 51% während es in diesem Jahr bereits 81% seien. Entsprechend seien auch beim Export Einbußen zu verzeichnen, so etwa 20% Rückgang bei Traktoren und 50% bei LKWs aus weißrussischer Produktion.

Ohne massive Finanzspritzen aus dem Ausland steht die Wirtschaft der ehemaligen Sowjetrepublik laut Slotnikow vor dem Zusammenbruch und eine massive Geldentwertung wie 2011 bevor. Der Wirtschaftsfachmann schätzt den monatlichen Bedarf auf mindestens 1 Milliarde Dollar. Minsk führt bereits Gespräche mit Moskau über mögliche Finanzhilfen. Der Kreml knüpft diese jedoch an Bedingungen und fordert die Privatisierung weißrussischer Staatsunternehmen. Von einem solchen Reformkurs ist die Regierung von Präsident Lukaschenko derzeit jedoch weit entfernt. Slotnikow fürchtet daher, dass eine Einigung mit Moskau zu spät kommen könnte. Die Wahrscheinlichkeit einer massiven Geldentwertung Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres schätzt er auf 80%.

Quelle: Obserwator Finansowy: Białoruś zdusiła inflację razem z gospodarką

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