Empörung in der Ukraine: Journalistin brutal zusammengeschlagen

Empörung in der Ukraine: Journalistin brutal zusammengeschlagen

Tatjana Tschornowol nach dem Überfall

Tetjana Tschornowol nach dem Überfall
(Quelle: Ukrajinska Prawda)

In der Ukraine wurde in der Nacht zum 25. Dezember die regierungskritische Journalistin von Unbekannten überfallen und krankenhausreif geschlagen. Tetjana Tschornowol, die für die Internetzeitungen „Ukrajinska Prawda“ und „LB.ua“ arbeitet, war in ihrem privaten PKW auf der Schnellstraße zwischen dem Vorort Borispol und der ukrainischen Hauptstadt Kiew unterwegs. Ein schwarzer SUV vom Typ Porsche Cayenne versuchte mehrfach, sie auszubremsen und an den Rand zu drängen. Nachdem es den Angreifern schließlich gelungen war, Tschornowol zu stoppen, stiegen sie aus und zerschlugen die Scheiben ihres Fahrzeugs. Die 34-jährige versuchte noch zu fliehen, wurde jedoch festgehalten und brutal zusammengeschlagen. Die unbekannten Täter ließen sie schließlich im Straßengraben liegen. Tschornowol konnte noch selbst die Miliz verständigen. Sie wird derzeit stationär behandelt. Sie erlitt bei dem Überfall eine Gehirnerschütterung, zahlreiche Hämatome im Gesicht und mehrere Nasenbeinbrüche. Der Journalistin stehen zahlreiche Operationen bevor. Eine Kamera in Tschornowols Auto zeichnete auf, wie Täter versuchten, das Auto der Journalistin zum Stoppen zu bringen, bis es ihnen letztlich gelang:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=jURFhIoX88k#t=282[/youtube]

Tetjana Tschornowol 2012

Tetjana Tschornowol 2012
(Quelle: Wikimedia Commons / Leonst)

Die Miliz verkündete erstaunlich schnell erste Fahndungserfolge. So seien zwei von drei Verdächtigen bereits gefasst worden. Bei einem der Festgenommenen handelt es sich um den Besitzer des Fahrzeugs, mit dem die Angreifer Tschornowol verfolgt hatten. Ein dritter Verdächtiger wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Die Miliz eröffnete ein Verfahren wegen Rowdytums (ukr. „chulihanstwo“, §296) – ein doch recht milder Vorwurf angesichts der Sachlage. Die Website NEWSru.ua wies denn auch darauf hin, dass gegen Oppositionsanhänger in diesem Jahr bereits wegen versuchten Mordes ermittelt wurde, weil sie Abgeordnete der Regierungspartei mit Schneebällen und Erde beworfen hatten.

Titelblatt der "Lwiwska Gaseta": "Uns fehlen die Worte, wenn Journalisten geschlagen werden"

Titelblatt der „Lwiwska Gaseta“: „Uns fehlen die Worte, wenn Journalisten geschlagen werden“

Wer steckt hinter dem Überfall auf Tetjana Tschornowol? Die „Ukrajinska Prawda“ antwortet mit einem Artikel unter der Überschrift „Janukowitsch, Asarow, Firtasch, Sachartschenko – über wen Tschornowol schreibt, oder Personen, die wir als Auftraggeber verdächtigen“. In den Beiträgen der Journalistin geht es häufig um die zwielichtigen Geschäfte der Regierungsmitglieder und ihres Umfelds sowie die luxuriösen Anwesen, die sie sich von dem so zusammengerafften Vermögen errichten lassen. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit ist Tschornowol in der Oppositionsbewegung um die Massenproteste auf dem Kiewer Majdan Nesaleschnosti aktiv.

Die Attacke auf Tetjana Tschornowol rief vor allem unter ihren ukrainischen Kollegen einen Sturm der Entrüstung hervor. Im ganzen Land protestieren Journalisten. Einige Medien erklärten einen Boykott aller offiziellen Verlautbarungen der Regierung und der Partei der Regionen. Die Lemberger Zeitung „Lwiwska Gaseta“ erschien heute mit einer schwarzen Titelseite und den Worten „Uns fehlen die Worte, wenn Journalisten geschlagen werden“.

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