Mehrheit der Russen sieht Westen als Drahtzieher hinter den ukrainischen Protesten

Mehrheit der Russen sieht Westen als Drahtzieher hinter den ukrainischen Protesten

Der Euromaidan in Kiew am 27. November 2013

Der Euromaidan in Kiew am 27. November 2013
(Quelle: Wikimedia Commons / Jewgeni Feldman)

Dass Russlands Präsident Putin von Geopolitik besessen ist und nahezu alles durch die entsprechende Brille betrachtet, mag zum Teil seiner Vergangenheit als KGB-Mitarbeiter geschuldet sein. Wie eine aktuelle Umfrage des Moskauer Instituts „Lewada-Zentr“ zeigt, betrachtet jedoch auch die Mehrheit seiner Landsleute die Ereignisse in der Ukraine auf diese Weise. Auf die Frage, was in erster Linie die Protestierenden auf den „Majdan“ heraustreibt, antworteten 41% „der Einfluss des Westens, der danach strebt, die Ukraine in die Sphäre seiner politischen Interessen zu ziehen“. Weitere 27% entschieden sich für die Antwortoption „nationalistische Stimmungen“. Die Option „das Streben danach, die Ukraine zu einem ebenso zivilisierten Land zu machen wie die anderen Länder Europas“ kreuzten nur 13% der Befragten an. Je 9% entschieden sich für „Empörung über das korrupte Janukowitsch-Regime“ oder „ein Gefühl der bürgerlichen Würde, die die Willkür der Macht nicht akzeptieren kann“. Bei der Befragung waren offenbar mehrere Antworten möglich.

Effiziente Propaganda im russischen Staatsfernsehen

Dass nur relativ wenige der Befragten es für möglich halten, dass die Unzufriedenheit mit den derzeitigen Zuständen in der Ukraine und der Wille diese zu ändern die Menschen auf die Straße treiben, wird häufig auf die Berichterstattung in den russischen Staatsmedien – allen voran den großen Fernsehsendern – zurückgeführt. Von den Wünschen und Hoffnungen, die die Ukrainer mit einer Annäherung ihres Landes an den Westen verbinden, vom Verdruss über das korrupte Janukowitsch-Regime, ist da wenig zu hören. Stattdessen zeigt man gern gewalttätige Demonstrante und Kiewer Bürger, die sich über das Verkehrschaos durch die Dauer-Demos beklagen. Die Aktivisten des Majdan dankten es dem russischen Fernsehen auf ihre Weise, als sie einem Reporter des vor laufenden Kameras einen symbolischen Oskar überreichten:

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Auch Russisch-Orthodoxe Kirche sieht Einmischung von außen und warnt vor Revolution

Präsident Putin und Patriarch Kyrill

Einer Meinung: Präsident Putin und Patriarch Kyrill
(Quelle: www.kremlin.ru)

Auch die Orthodoxe Kirche Russlands scheint die Ansicht zu vertreten, dass in der Ukraine eine Einmischung von außen droht. In einer Botschaft an das ukrainische Volk gemahnt sie an die Einheit der Orthodoxie, erinnert an die gemeinsamen Wurzeln in der Kiewer Rus und erklärt: „Wir verstehen, dass die Bürger der Ukraine unterschiedliche Ansichten über die Zukunft des Landes haben und achten das Recht seines Volkes auf die Wahl seines Weges. Es ist aber sehr wichtig, dass dies eben eine Wahl des Volkes ist – eine freie, auf die Kenntnis aller Pros und Contras gestützte und nicht von irgendeinem äußeren Willen diktierte.“ Und der bekannten Doktrin Putins folgend, nach der kein Zustand so schlimm sein kann, dass er es rechtfertigen würde das höchste Gut der Stabilität zu gefährden, warnen die Kirchenmänner die Ukrainer vor einem Umsturz: „Revolutionen können dem Volk kein Heil bringen, denn sie setzen niedere, verderbliche Leidenschaften frei.“ In derselben Botschaft heißt es: „Die Kirche wird immer die gottgegebenen, ewigen moralischen Werte verteidigen, auf denen über Jahrhunderte das Leben unserer Völker, den Nachkommen der historischen Rus, aufgebaut hat und, wie wir glauben, aufbauen wird. Nur auf ihnen kann ein würdiges Menschenleben gegründet werden.“ Gefahr für die „moralischen Werte“ sieht man offenbar im Streben nach Westen. Der eklatante Werteverfall im eigenen Lager, der sich in manipulierten Wahlen, verprügelten Demonstranten und Journalisten, grassierender Korruption und raffgierigen Eliten zeigt, wird dabei geflissentlich übersehen.

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