Ukraine: Janukowitsch bringt Fernsehsender unter Kontrolle

Ukraine: Janukowitsch bringt Fernsehsender unter Kontrolle

Ukrainischer Fernsehreporter

Ukrainischer Fernsehreporter
(Quelle: Wikimedia Commons / Håkan Henriksson)

Zu Beginn der Proteste des „Euromajdan“ hatte man mit Erstaunen feststellen können, dass viele der Fernsehsender, die bisher als regierungstreu galten, recht objektiv über die Demonstrationen berichteten. Wenn es um verzerrte oder Nicht-Berichterstattung über die Ereignisse in Kiew ging, so war meist vom russischen Staatsfernsehen die Rede. Wie die ukrainische Zeitung „Serkalo Nedeli“ jetzt berichtet, scheint es mit der Narrenfreiheit der großen ukrainischen TV-Kanäle aber ein Ende zu haben. Dem Bericht zufolge habe Präsident Janukowitsch die Oligarchen, denen die Sender gehören, des Verrats bezichtigt. Diese wiederum seien, nachdem der Euromajdan bislang keine offensichtlichen, greifbaren Ergebnisse hervorgebracht hat, „gezwungen gewesen, die Krallen wieder einzuziehen“. Wie Quellen berichten, wurden die Sender nun der Kontrolle einer Gruppe unter Führung von Präsident Janukowitsch und seinem ältesten Sohn Alexander unterstellt. Beteiligt seien außerdem Alexander Gurbitsch, Juri Tschmyr, Michail Pogrebinski, Anna German und Roman Kostriza. Auch auf russischer Seite läuft dem Bericht zufolge die Medienmaschinerie zur Unterstützung von Janukowitschs Wahlkampagne an. Russische Fernsehsender werden vor allem in der Ostukraine gern gesehen. Insgesamt informieren sich 93% aller Ukrainer über das Fernsehen. Die Kontrolle über dieses Massenmedium ist eine entsprechend mächtige Waffe im Wahlkampf. Hinzu kommen Radiosender, Zeitungen und Websites, die Teil der Propagandamaschinerie sind. Das Internet bleibt dennoch weitgehend unkontrollierbar. Der Teil der Bürger, die sich über das Netz informieren, ist mit 35% aber immer noch relativ gering.

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