Sotschi und die Medien: "Wie über einen Verstorbenen"

Sotschi und die Medien: „Wie über einen Verstorbenen“

Maskottchen der Winterolympiade auf einem Briefmarkenblock der russischen Post

Maskottchen der Winterolympiade auf einem Briefmarkenblock der russischen Post

Der Blog Foreign Policy weist in einem Artikel darauf hin, dass Sotschi während der bevorstehenden olympischen Winterspiele zu einem gefährlichen Ort für Journalisten werden könnte. Die Autoren berufen sich dabei auf einen Bericht der US-Organisation Committee to Protect Journalists (CPJ). Auch ausländischen Journalisten drohe eine peinliche Überwachung.

Schon heute zeigt sich der Druck auf die Medien in der Berichterstattung über die Olympiade in Russland. Themen wie Korruption, Umweltverschmutzung, Enteignungen etc., die mit dem Großereignis in Verbindung gebracht werden, kommen in den einheimischen Medien so gut wie nicht vor. Berichtet wird nur über das, was ausdrücklich erlaubt ist. Man ziehe es vor, über die Spiele zu berichten, wie über einen Verstorbenen: entweder nur Gutes oder gar nichts.

Die Ursache sieht CPJ in dem von den Behörden offenbar mit Erfolg angewandten Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche. So bekannten einige lokale Medien, dass sie vom Staat finanzielle Unterstützung im Tausch gegen die Selbstzensur ihrer Inhalte erhielten. Die Stadtverwaltung soll allein zwischen Dezember 2012 und März 2013 fast eine Million Dollar an 17 verschiedene Medien gezahlt haben.

Ausländische Journalisten konnten bislang relativ frei über das sportliche Großereignis und seine Begleiterscheinungen berichten. Berichte wie der über Einschüchterungsversuche gegen ein Team des norwegischen Fernsehsenders TV2 blieben die Ausnahme.

Für die Zeit der Spiele selbst plant der Staat eine groß angelegte Überwachung aller Teilnehmer – vom Athleten über Schiedsrichter und Mitglieder der Nationalen Olympischen Komitees bis hin zu Mitarbeitern der Anti-Doping-Agentur. Und natürlich sind auch die anwesenden Journalisten Ziel der Maßnahmen. Ein entsprechender Beschluss sieht etwa die Schaffung einer Datenbank vor, in der alle Nutzer von Telekommunikationsdiensten – und sei es der öffentlichen WLAN-Netze – verzeichnet sind. CPJ befürchtet, Kontakte zwischen Journalisten und Regimekritikern könnten so vom Inlandsgeheimdienst FSB überwacht werden. Bedenkenswert sei auch der Plan, die gesammelten Daten noch für drei Jahre zur Nutzung zu speichern.

Quelle: NEWSru.com

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