Umfrage-Skandal: TV-Sender Doschd verliert Sendefrequenzen

Umfrage-Skandal: TV-Sender Doschd verliert Sendefrequenzen

Die Entrüstung über eine Umfrage des russischen Fernsehsenders Doschd zum Jahrestag der Leningrader Blockade hat für den als kremlkritisch geltenden Kanal ernsthafte Folgen. Der Kabelfernsehanbieter Dom.ru ebenso wie der Satelliten-TV-Anbieter NTW-Pljus und der Internetprovider Akado haben angekündigt, die Verbreitung des Senders einzustellen. Der Boykott bedeutet einen nicht unwesentlichen Verlust an Reichweite. Allein Dom.ru bietet seine Dienste in 56 Städten Russlands an und hat etwa 6 Millionen Kunden.

TestbildFür Doschd kam diese Entwicklung überraschend, wie Generaldirektorin Natalja Sindejewa erklärte. Zuletzt hatten sich sowohl Russlands Menschenrechtsbeauftragter Wladimir Lukin als auch die Kommission für Pressefreiheit beim Menschenrechtsrat des russischen Präsidenten für Doschd eingesetzt. Die Kommission wies daraufhin, die Verbreitung eines Fernsehsenders könne nicht einfach so ohne Hinzuziehung der Aufsichtsbehörde und ohne Gerichtsbeschluss eingestellt werden. Die Präsidentin des Föderationsrates, der zweiten Kammer des russischen Parlaments, hatte in einer Erklärung eine „Schließung“ des bei oppositionell gesinnten Russen beliebten TV-Kanals abgelehnt.

Dagegen forderte das Stadtparlament St. Petersburgs per Mehrheitsbeschluss den russischen Generalstaatsanwalt Juri Tschaika auf, das auf der Website des Fernsehsenders veröffentlichte „provokative Material“ – sprich: die Umfrage – auf ihre strafrechtliche Relevanz zu überprüfen. Vertreter der Kommunistischen Partei in der Staatsduma äußerten sich ähnlich.

Doschd-Chefredakteur Michail Sygar zeigte sich indessen überzeugt, dass Abgeordnete und Blogger, die den Sender in den letzten Tagen heftig angegriffen hatten, einen „politischen Auftrag“ ausführten.

Quelle: NEWSru.com / Bildquellennachweis (Testbild): Wikimedia Commons / ebnz

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