Janukowitsch ernsthaft krank?

Janukowitsch ernsthaft krank?

Während Präsident Janukowitschs plötzliche Erkrankung bei vielen den Verdacht hervorgerufen hatte, es könne sich dabei um ein Manöver zum Zeitgewinnen handeln, gibt es inzwischen auch Gerüchte, die von einer ernsthafteren Erkrankung des Autokraten sprechen. Der Präsident hatte sich am 30. Januar, kurz nach der Rücknahme der umstrittenen Gesetze zur Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten, mit einer „akuten Atemwegsinfektion“ krankgemeldet. Der Oppositionsabgeordnete Wolodymyr Jaworiwskyj ließ nun wissen, er halte Meldungen, der Präsident sei auf die Intensivstation verlegt worden, nicht für unglaubwürdig. Dabei verwies er auf den seiner Meinung nach „düsteren Gesichtsausdruck“ Janukowitschs bei seiner letzten Fernsehansprache sowie die „ungesunde Gesichtsfarbe“.

Wiktor Janukowytsch

Präsident Wiktor Janukowitsch im März 2013
(Quelle: president.gov.ua)

Zur Untermauerung seiner These von einer ernsteren Erkrankung erinnerte der Oppositionspolitiker an den großen Druck, unter dem Janukowitsch stehe. Seine Partei sei dabei auseinanderzufallen. Während der Präsident früher das Parlament gemieden habe, sei er am 28. Januar gezwungen gewesen, in die Volksvertretung zu eilen, um auf einer lautstark geführten Fraktionssitzung seine Parteigenossen auf Linie zu zwingen. Medienberichten zufolge waren die Abgeordneten drauf und dran gewesen mit der Opposition für eine bedingungslose Amnestie der Protestteilnehmer zu stimmen. Zudem würden auch die Oligarchen, die wohl wichtigsten Stützen des Regimes, inzwischen rebellieren.

Ob die Gerüchte über Janukowitschs Gesundheitszustand einen wahren Kern haben oder nur Wunschdenken sind, lässt sich nicht beurteilen. Eine interessante, wenn auch düstere Interpretation für die Erkrankung des Präsidenten liefert der ukrainische Publizist Witali Portnikow. Er fühlt sich bei dem Ganzen an die fingierte Krankmeldung des Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow 1991 erinnert. Diese diente damals als Vorwand – der Präsident sei handlungsunfähig, hieß es – für einen Putsch. In den letzten Tagen war immer wieder von einem drohenden Eingreifen des Militärs in der ukrainischen Staatskrise die Rede gewesen.

Quelle: NEWSru.ua

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