Weißrussland: Mann wegen Zeigens der Nationalflagge verprügelt und verhaftet

Weißrussland: Mann wegen Zeigens der Nationalflagge verprügelt und verhaftet

Während in Lettland und Litauen das Zeigen der sowjetischen Symbolik mit Hammer und Sichel untersagt ist, verhält es sich im benachbarten Weißrussland andersherum – jedenfalls inoffiziell. Denn hier garantieren nicht die Symbole der Diktatur Probleme mit der Staatsmacht, sondern absurderweise die Symbole der Demokratie. Das Symbol der Demokratie – und damit unweigerlich auch der Gegnerschaft zum amtierenden Präsidenten Lukaschenka – ist in Weißrussland die weiß-rot-weiße Nationalflagge, wie sie von 1991 bis 1995 galt. Der Präsident selbst schaffte die Flagge nach der Amtsübernahme ab und führte faktisch die Flagge der Weißrussischen Sowjetrepublik wieder ein – freilich ohne Hammer, Sichel und Sowjetstern.

Die alte Flagge - von Weißrusslands Ordnungshütern nicht gern gesehen

Die weiß-rot-weiße Flagge – von Weißrusslands Ordnungshütern nicht gern gesehen
(Quelle: flickr.com / belarusian)

Der Minsker Wiktar Scharschun bekam jetzt zu spüren, wie gefährlich es sich als bekennender Weiß-Rot-Weiß-Liebhaber in „Europas letzter Diktatur“ lebt. Die Flagge hing auf seinem Balkon so gut sichtbar, dass offenbar auch die örtlichen Mitarbeiter der Miliz darauf aufmerksam wurden. Am 8. Februar klingelte es so an Scharschuns Tür. Die Besucher gaben sich als Mitarbeiter der Hausverwaltung aus. Als Scharschun öffnete, standen Milizionäre vor der Tür. Sie forderten ihn auf, die Fahne vom Balkon zu entfernen. Als „nicht registrierte Symbolik“ sei diese verboten, so die Beamten. Der 52-jährige weigerte sich, den Anweisungen Folge zu leisten und versuchte, die Wohnungstür wieder zu schließen. Daraufhin wurde er auf den Treppenabsatz herausgezerrt und verprügelt. Sodann brachte man ihn in Handschellen aufs Polizeirevier, wo er ohne Angabe von Gründen festgehalten wurde. Als es Scharschun schlecht wurde, entließ man ihn per Rettungswagen ins Krankenhaus. Zuvor wurde ihm das Protokoll zu seiner Festnahme ausgehändigt, in dem ihm Widerstand gegen die Staatsgewalt und Beamtenbeleidigung zur Last gelegt wurde.Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus wartet Wiktar Scharschun nun auf seinen Prozess. Er hat sich bei der Staatsanwaltschaft des Zentralen Minsker Stadtbezirks beschwert: „Die Berufung der Milizmitarbeiter darauf, dass ich angeblich geltendes Recht verletzt habe, indem ich auf dem Balkon nicht durch die Gesetzesordnung registrierte Symbolik ausgehängt hätte, ist unsinnig und ungesetzlich, da die Verwendung nicht registrierter Symbolik nur Teilnehmern von Großveranstaltungen gesetzlich verboten ist.“

Quelle: Belorusski Partisan

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