Nützliche Aufregung: Der Streit um das Denkmal von Brest

Nützliche Aufregung: Der Streit um das Denkmal von Brest

Im Streit um das Denkmal für die Verteidiger der Brester Festung hat der amerikanische Fernsehsender CNN Russland offiziell um Verzeihung gebeten. Ein entsprechendes Schreiben wurde dem russischen Botschafter in den USA übergeben. Hintergrund ist ein Ranking der hässlichsten Denkmäler der Welt, das CNN auf seiner Website veröffentlicht hatte. Darunter war auch das Denkmal im weißrussischen Brest vertreten.

Denkmal für die Verteidiger der Festung Brest

1971 errichtetes Denkmal für die Verteidiger der Festung Brest
(Quelle: Wikimedia Commons / Lena Armstrong)

Das im monumentalen Stil des sozialistischen Realismus errichtete Mahnmal erinnert an die Verteidiger der Brester Festung, jene etwa 9.000 sowjetischen Soldaten, die am 22. und 23. Juni 1941 versuchten, die Festung gegen die Truppen der deutschen Wehrmacht zu verteidigen. ZWar siegten in dieser Schlacht schließlich die Deutschen, es gelang jedoch die Anlage trotz deutlicher zahlenmäßiger Unterlegenheit länger als erwartet zu halten. Unterschiedlichen Angaben zufolge kamen dabei zwischen 2 und 4.000 Rotarmisten ums Leben. Mehrere Tausend gerieten in deutsche Gefangenschaft.

Nach dem Krieg wurde die Geschichte von der Brester Festung zum Symbol des Sieges über den deutschen Faschismus. In Gemälden und Büchern wurden die Helden der Schlacht verewigt. Zum 20. Jahrestages des Kriegsendes wurde der Ort zur „Heldenfestung Brest“ erklärt, ein Pendant zum Ehrentitel „Heldenstadt“, den zahlreiche andere Schauplätze des 2. Weltkriegs in der Sowjetunion trugen. 1971 wurde ein Mahnmalskomplex mit besagtem Denkmal eröffnet.

Sowjetische Briefmarke von 1965 zu Ehren der

Sowjetische Briefmarke von 1965 zu Ehren der „Heldenfestung Brest“

Die Erwähnung im Ranking der „world’s ugliest monuments“ führte in Russland und Weißrussland zu einem Sturm der Entrüstung. CNN reagierte darauf zunächst mit einem schriftlichen Hinweis auf der entsprechenden Seite, der empörte User beschwichtigen sollte. Letztlich wurde das Ranking ganz aus dem Internet genommen. Wie jetzt bekannt wurde, hat sich der Fernsehsender zusätzlich noch schriftlich für seinen Fauxpas entschuldigt.Die Aufregung erinnert an die umstrittene Umfrage des russischen TV-Kanals Doschd zur Leningrader Blockade. Hier führte die Aufregung gar dazu, dass ein Großteil der Satelliten- und Kabel-TV-Anbieter Doschd aus ihrem Angebot kickten. Der politisch unbequeme Fernsehkanal wurde dadurch faktisch zu einem Internetangebot eingedampft. Der Verdacht liegt in diesem Fall nahe, dass die ganze Sache künstlich aufgebauscht wurde und die öffentliche Empörung nur Mittel zum Zweck war.

Wladimir Putin im Gespräch mit CNN-Moderator Larry King

Wladimir Putin am 8. September 2000 im Gespräch mit CNN-Moderator Larry King
(Quelle: www.kremlin.ru)

Gleiches drängt sich auch im Denkmalstreit auf. Man stelle sich vor, das Berliner Holocaust-Mahnmal würde in einer Hitparade der hässlichsten Denkmäler auftauchen – so what? Kaum einer würde auf die Idee kommen, dass Kritik an der Ästhetik eines Denkmals mit einer Pietätlosigkeit gegenüber den durch das Monument geehrten Opfern gleichzusetzen sein soll. Die unterkühlte Reaktion des russischen Außenministeriums auf CNNs Entschuldigungsschreiben offenbart, dass es vielleicht um mehr gehen könnte als eine verletzte Volksseele. So heißt es in der Erklärung zunächst:

„Wir bekräftigen unsere prinzipielle Einschätzung, dass die Schmähung des Andenkens der heldenhaften Verteidiger der Festung Brest, gleich womit man sie auch erklären wollte, nicht gerechtfertigt und nicht verziehen werden kann“,

und dann vielsagend:

„Man muss sich im Klaren sein darüber, dass ähnliche verantwortungslose Handlungen CNNs Reputation einen ernsthaften Schlag versetzt und zu einem weiteren Rückgang der Popularität dieses Fernsehsenders in Russland geführt haben.“

Bemerkenswert undiplomatisch macht Russlands Außenamt damit klar: Wir konnten CNN auch vor dem Vorfall mit der umstrittenen Rangliste schon nicht ausstehen. Der amerikanische Nachrichtensender gilt schließlich als Sprachrohr des Westens, das Russland ständig in ungerechtfertigt schlechtem Licht darstellt. Der Fehltritt des Senders könnte Russlands Mächtigen ziemlich recht gekommen sein, um bei der Gelegenheit ihren Landsleuten vorzuführen, wer der Feind ist und warum er der Feind ist. Ganz ähnlich erscheint da die Geschichte um den Fernsehsender Doschd. Der einzige Unterschied ist nur, dass sich die Politik in jenem Fall fein herausgehalten und die Drecksarbeit der Wirtschaft – sprich: den Kabelnetzbetreibern etc. – überlassen hat.

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