Der "Majdan" am 22. November 2004

Janukowytschs Sturz – Putins Niederlage: jetzt noch mehr Repressionen in Russland?

Der Majdan am 22. November 2004

Der Majdan am 22. November 2004

Welche Auswirkungen wird der Sturz Janukowytschs auf die russische Innenpolitik haben? Putin hat dieser Tage zum zweiten Mal seit 2004 miterleben müssen, wie sein Pferd im politischen Rennen der Ukraine von den Massen aus der Bahn gefegt wurde. Die Orangene Revolution vor nunmehr fast 10 Jahren soll ein prägendes Erlebnis in der politischen Biographie des russischen Präsidenten gewesen sein. Vor allem die Tatsache, dass die ukrainische Zivilgesellschaft damals offen vom Westen unterstützt worden war, traf beim Ex-KGBler Putin einen Nerv. Er tat fortan alles, um sich und sein Land vor einem solchen – wie er glaubte, maßgeblich vom Westen angezettelten – Umsturz zu schützen. Dazu schränkte er die Freiheiten in Russland weiter ein und schuf die kremltreue Jugendorganisation „Naschi“, deren Mitglieder sich jederzeit gegen vermeintliche innere und äußere Feinde – man denke an den Streit um das Ehrenmal in Tallinn – aufhetzen ließen.
Die Frage liegt also nahe, wie Putin heute reagieren wird – umso mehr als die Niederlage des ukrainischen Präsidenten, der zumindest zuletzt für eine Annäherung an Russland stand, heute viel drastischer ausfällt. Immer wieder wird berichtet, dass auch im Südosten der Ukraine viele, vor allem junge Leute die Schnauze gestrichen voll haben von der allgegenwärtigen Korruption und dem von ihr beförderten Stillstand. Je mehr sich Russland in die Enge getrieben fühlt, umso drastischer könnte die Reaktion ausfallen. Es muss also niemanden wundern, wenn Moskau demnächst – nach Abschluss der Olympiade – die Daumenschrauben im eigenen Land noch einmal kräftig anziehen sollte.

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