Zbigniew Brzeziński: Finnisches Szenario könnte die Ukraine retten

Zbigniew Brzeziński: Finnisches Szenario könnte die Ukraine retten

Der polnischstämmige amerikanische Politologe Zbigniew Brzeziński, in Russland als Geostratege des Kalten Krieges nicht eben beliebt, schlägt in einem Artikel für die Financial Times vor, die Ukraine solle ihren Platz auf der politischen Landkarte Europas nach finnischem Vorbild einnehmen.

Zbigniew Brzeziński auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2014

Zbigniew Brzeziński auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2014
(Quelle: Kleinschmidt / MSC)

Finnland hielt nach dem Zweiten Weltkrieg militärisch Abstand zu den NATO-Staaten. Ein Vertrag mit der Sowjetunion verpflichtete es, mögliche Versuche, sein Territorium als Aufmarschgebiet gegen den östlichen Nachbarn zu nutzen, abzuwehren. Durch jenen „Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand“, der 1948 geschlossen wurde, kaufte sich Finnland von sowjetischer Einflussnahme auf die Innenpolitik und einer möglichen Anbindung an den Warschauer Pakt frei. So konnte es sein demokratisches Regierungssystem aufrechterhalten.

Ganz ähnlich, so Brzeziński, könnte heute die Ukraine verfahren: innenpolitisch ein am Westen orientiertes Regierungssystem aufbauen, zugleich jedoch außen- bzw. verteidigungspolitisch auf eine Anbindung an den Westen verzichten.

Das Worst-Case-Szenario für Russland wäre ein NATO-Beitritt der Ukraine, wie er von Janukowytschs Vorgänger im Amt, Wiktor Juschtschenko, angestrebt wurde. Nach dem Sturz des zuletzt wieder eher prorussischen Präsidenten Janukowytsch wird spekuliert, Russland könne die russischsprachige Bevölkerungsgruppe in der Ukraine für eine Destabilisierung oder gar Spaltung des Landes einsetzen, um so eine Anbindung an den Westen zu verhindern.

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