Witali Portnikow

Russland, Ukraine und die Krim: Fremde für immer

von Witali Portnikow, zuerst erschienen auf NEWSru.ua am 28. Februar 2014

Noch ein paar Schritte auf der von allen Winden durchwehten Krim – und die Russen werden für die Ukrainer zu Besatzern.

Witali Portnikow

Witali Portnikow
(Quelle: LB.ua / Maks Lewin)

Es tut weh zu beobachten, wie die Ambitionen zweier ehrgeiziger Politiker – Wladimir Putins, der fest an seine imperiale Mission glaubt und Wiktor Janukowytschs, der sich an die Reste der seiner Macht klammert – das gegenseitige Verständnis zwischen zwei mir nahen Völkern zerstören. Es tut weh nicht auf politischer Ebene, sondern auf physischer. Noch ein paar Schritte auf der von allen Winden durchwehten Krim – und die Russen werden für die Ukrainer zu Besatzern. Nicht Putin, nicht Medwedew, nicht Schojgu – sondern die Russen! Ebenso wie die Russen und nicht Stalin die Besatzer Lettlands oder Estlands waren. Ebenso wie die Russen und nicht Breschnew und Podgorny die Besatzer der Tschechoslowakei waren.

Ich erinnere mich noch an jene quälende Schande, die ich in den 80ern/90ern empfand, als ich in Geschäften Tallinns oder Prags auf Russisch sprach. Die Schande des auf mich gerichteten Blicks. Des stummen Vorwurfs eines Menschen, dessen Volk gezwungen war, vor den toll gewordenen Panzern zurückzuweichen und seine Freiheit in seinem Herzen zu bewahren. Vielleicht fiel es mir, dem Nicht-Russen schwerer als jenen Russen, die sich mit der Okkupation identifizierten und stolz darauf waren. Aber im Endeffekt war es keine Sache der Herkunft. Es war eine Sache des Gewissens.

Ja, hier werden alle auch russisch sprechen, aber immer weniger. Und dieses Russisch wird für die ukrainischen Bürger nichts gemein haben mit dem russischen Staat, der russischen Kultur, Literatur oder Geschichte – so wie es immer ist in Ländern, die sich einer Aggression widersetzen. Die Ukrainer – zu welcher Ethnie sie auch gehören mögen – werden tröpfchenweise nicht nur den Sklaven aus sich herausfischen, sondern diese jahrhundertelange Verbindung mit diesem Russland, das sie beleidigt und verraten hat.

Aber danach wird die Ukraine aufblühen, ihre Wunden heilen, wird die gewaltsam abgetrennten Territorien vergessen – und, wie es üblich ist bei glücklichen Ländern, wird es Touristen aus Russland zu uns ziehen, um wenigstens ein paar Tage würdig zu leben, so, wie es in der Heimat nicht gelingt. Man wird ihnen gegenüber freundlich sein, sie werden sich wundern, dass man mit ihnen fließend russisch spricht und staunen darüber, warum hier Denkmäler für Puschkin und Bulgakow stehen.

Nur werden sie hier schon fremd sein. Völlig fremd. Fremd für immer.

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