Kreml am Ziel: TV-Kanal Doschd geht das Geld aus

Kreml am Ziel: TV-Kanal Doschd geht das Geld aus

In der Ukraine ist Putin drauf und dran dem politischen Neuanfang nach Janukowytschs Sturz den Garaus zu machen. Und auch innerhalb Russlands geht der Feldzug gegen alles, was seine Macht gefährden könnte, weiter. So z. B. gegen die freie Presse, die im größten Land der Erde ohnehin nur selten anzutreffen ist.

Präsident Medwedew besucht Doschd am 25. April 2011

Präsident Medwedew besucht Doschd am 25. April 2011
(Quelle: www.kremlin.ru)

In dieser Schlacht zeichnet sich ein weiterer Sieg des Kreml ab: der liberale TV-Sender Doschd steht kurz vor dem Bankrott. Wie die Generaldirektorin des Senders, Natalja Sindejewa, erklärte, reichen die Mittel noch etwa einen Monat, dann sei man bankrott. Sollte die Belegschaft einer Lohnkürzung zustimmen, könne man die Frist vielleicht noch um ein paar Wochen verlängern.

Die prekäre Lage des einzigen Fernsehkanals, in dem auch die Opposition zu Wort kommt, ist kein Zufall. Im Januar war zum 70. Jahrestag der Leningrader Blockade eine umstrittene Umfrage auf den Seiten des Senders erschienen. Ob man nicht die Stadt hätte aufgeben sollen, um so Leben zu retten, wurden die User gefragt. Nach einem Sturm der patriotischen Entrüstung über solchen Frevel warf in einer seltsam konzertiert wirkenden Aktion ein Kabelnetzbetreiber nach dem anderen den Sender aus seinem Angebot. Durch den katastrophalen Verlust an Reichweite gingen Doschd 80% seiner regelmäßigen Einnahmen verloren. Seither versucht man sich durch Online-Abonnements und Spenden über Wasser zu halten. Jetzt aber scheint das Ende nahe.

Der Fernsehkanal Doschd wurde in der Amtszeit Präsident Medwedews gegründet und war Ausdruck einer mit diesem verbundenen Hoffnung auf Veränderung. Dass der Sender ausgerechnet jetzt dran glauben muss, mag kein Zufall sein. Denn anders als die staatlich gelenkten russischen Fernsehkanäle hat Doschd wohlwollend über die Proteste des Euromaidan in der Ukraine berichtet. Der russischen Führung dürfte das nicht gefallen haben.

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