Ukraine: Umfragen zeigen neues Kräfteverhältnis der Parteien

Ukraine: Umfragen zeigen neues Kräfteverhältnis der Parteien

Der Sturz des Janukowytsch-Regimes hat offenbar zu einem massiven Stimmungsumschwung zugunsten von Teilen der bisherigen Opposition geführt. Laut dem Meinungsforschungsinstitut SOZIS würde die Tymoschenko-Partei Batkiwschtschyna mit 15,4% stärkste Kraft, dicht gefolgt von Vitaly Klitschkos „Udar“ mit glatt 15%. Dritte Kraft würde mit 13,1% die Partei „Solidarnist“ des Süßwarenfabrikanten Petro Poroschenko. Die bisherige Regierungs-Partei der Regionen (PR) käme nur noch auf 9,5% der Stimmen, die Kommunisten (KPU), ihr faktischer Bündnispartner, auf 5,4%. Die Rechtspartei Swoboda käme auf 4,3%.

Petro Poroschenko

Petro Poroschenko – nächster Präsident der Ukraine?

Für die Erhebung wurden 2004 Personen in der ganzen Ukraine in persönlichen Interviews zwischen dem 25. Februar und dem 4. März vom Meinungsforschungsinstitut SOZIS befragt. Im Vergleich zur Umfrage vom Vormonat hat sich die Zustimmung zur Partei der Regionen des gestürzten Präsidenten Wiktor Janukowytsch mehr als halbiert. Als neue Kraft würde die Partei Solidarnost ins Parlament einziehen. Die bisherigen Oppositionsparteien würden zusammengefasst fast 50% der Wählerstimmen auf sich vereinigen können. Der Vorsprung zu den Parteien des Janukowytsch-Regimes ist groß, denn PR und KPU schaffen laut Umfrage zusammen nur noch knapp 15%. Bemerkenswert – vor allem vor dem Hintergrund des russischen Mantras vom „faschistischen Putsch“ der in Kiew stattgefunden habe – ist das schlechte Abschneiden der Rechtsradikalen. Bei den Wahlen 2012 hatte die Partei Swoboda noch knapp 11% erreicht. Der Umfrage zufolge hat sie vom Sturz des Regimes jedoch nicht profitieren können und verlöre massiv an Zustimmung.

Wären jetzt Präsidentschaftswahlen, so würde zwei unabhängig voneinander durchgeführten Erhebungen zufolge Petro Poroschenko mit um die 20% im ersten Wahlgang den Sieg davontragen. Es folgt Vitaly Klitschko mit 12,1 bzw. 14,6%. Erst auf dem dritten Platz landet Julia Tymoschenko mit 8,4 bzw. 9,7%. Auch hier zeichnet sich ein Stimmungseinbruch zu Lasten der bisher regierenden Partei der Regionen ab. Ihr Kandidat Serhij Tihipko käme auf nur 8 bzw. 7,1%. Abgeschlagen auf den letzten Plätzen rangieren auch die rechten Kandidaten. Der Swoboda-Vorsitzende Tjahnybok bringt es demnach auf nur 1,7 bzw. 2,5% Zustimmung, der Anführer des „Rechten Sektors“, Dmytro Jarosch, kommt in der SOZIS-Umfrage auf verschwindende 1,6%. Auch hier widersprechen die Daten der These, dass die Rechtsradikalen in der Ukraine auf dem Vormarsch seien. Einigermaßen unerwartet ist, dass die Ikone der Orangenen Revolution, Julia Tymoschenko, in den zwischen 25. Februar und 4. März durchgeführten Umfragen relativ schlecht abschneidet. War doch in den Medien die Vermutung geäußert worden, sie würde die Protagonisten des Euromaidan nach ihrer Freilassung recht schnell in den Schatten stellen.

 

Flattr this!