Umfrage: Immer mehr Ukrainer befürworten NATO-Beitritt

Umfrage: Immer mehr Ukrainer befürworten NATO-Beitritt

Ein möglicher NATO-Beitritt der Ukraine ist für den Kreml bekanntlich ein Horrorszenario. Und die Annexion der Krim hat Putin inzwischen offen damit begründet, dass Russland es nicht habe zulassen können, dass das Territorium der Halbinsel Teil der NATO geworden wäre. Dass der Machtwechsel in Kiew, der ja durch den Streit um das EU-Assoziierungsabkommen verursacht wurde, auch eine Weichenstellung in Richtung NATO-Beitritt war, scheint für den russischen Präsidenten als unbestreitbare Tatsache zu gelten. Dabei hätte ein solcher Beitritt bisher gegen die Bevölkerungsmehrheit durchgesetzt werden müssen. Wie eine Umfrage jetzt zeigt, hat sich die Stimmung in der ukrainischen Bevölkerung in den letzten Wochen jedoch deutlich verändert – auch was die Meinung der Ukrainer über Russland angeht.

NATODie Untersuchung des Kiewer Gorschenin-Instituts ergab, dass mittlerweile 47,3% der Ukrainer bei einem Referendum über einen NATO-Beitritt ihres Landes mit ja stimmen würden. Nur noch 36,2% würden dagegen stimmen. Im Mai vergangenen Jahres war es noch genau umgekehrt: 35% sprachen sich für den Beitritt aus, 43% dagegen. Der Grund für diese deutliche Tendenz scheint klar. So sehen mittlerweile 76,7% die Zukunft der Ukraine als eigenständiger Staat durch Russland bedroht. 64,2% sind überzeugt, dass die Separatisten im Osten des Landes von Russland mit Waffen versorgt und gesteuert werden. 23,6% glauben das nicht. 78,4% unterstützen die Kiewer Regierung im Konflikt mit den Separatisten, 10% die Gegenseite. Uneins sind sich die Ukrainer dabei über die Mittel, mit denen der Konflikt gelöst werden soll. 47,2% sind für Verhandlungen, 42,1% für ein gewaltsames Vorgehen. Eine Mehrheit von 55% glaubt, dass Russland seinen aggressiven Kurs beibehalten und versuchen wird, weitere ukrainische Gebiete unter seine Kontrolle zu bringen. 21,5% glauben das nicht.

Das russische Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentr hat in den letzten Wochen die Einstellung der Russen und Ukrainer zueinander untersucht. Demnach ist in beiden Ländern die bisher recht hohe Zahl derer, die dem jeweils anderen Land gegenüber positiv eingestellt waren, innerhalb kurzer Zeit deutlich gesunken. So antworteten im Februar dieses Jahres noch 78% der Ukrainer, sie hätten eine positive Einstellung zu Russland, im Mai waren es nur noch 52%. In der Ostukraine sank der Wert von 92 auf 77%, in der Westukraine – hier ist der Abfall besonders krass – von 70 auf 30%. Explizit negativ eingestellt gegenüber dem großen Nachbarn waren im Mai 38% gegenüber 13% im Februar.

In Russland sank die Zahl derer, die angaben, eine positive Meinung über die Ukraine zu haben, von 66% im Februar auf nur noch 35% im Mai, während 49% angaben, eine negative Meinung zur Ukraine zu haben – gegenüber 26% im Februar. Die Annexion der Krim, die in der russischen Diktion als „Zurückholung“ (russ. „возвращение“) bezeichnet wird, befürworten 90% der Befragten. 86% glauben, sie sei das Resultat einer „freien Willensäußerung der Krimbewohner“. In einer möglichen kriegerischen Auseinandersetzung mit der Ukraine würden 69% der befragten Russen ihre Regierung unterstützen.

Quelle: NEWSru.ua

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