Zum 75. Jahrestag des Ribbentrop-Molotow-Pakts

Zum 75. Jahrestag des Ribbentrop-Molotow-Pakts

von Alexander Tscherkassow

Erklärung des Vorstands der internationalen Gesellschaft „Memorial“

Moskau, 24. August 1939: Unterzeichnung des Ribbentrop-Molotow-Pakts

Moskau, 24. August 1939

Vor 75 Jahren, am 23. August 1939, wurde in Moskau durch Hitlerdeutschland und die UdSSR Stalins der Nichtangriffspakt unterzeichnet, der das Geheimprotokoll über die Aufteilung Osteuropas in „Einflusszonen“ beinhaltete.

Unmittelbare Folge des Ribbentrop-Molotow-Pakts war der Einmarsch der Roten Armee in Polen am 17. September 1939, die Annexion der drei unabhängigen baltischen Staaten durch die Sowjetunion und ebenso Bessarabiens und der nördlichen Bukowina im Sommer des Jahres 1940. Alle annektierten Territorien wurden sozial-politischen und nationalen Säuberungen unterzogen: Verhaftungen und massenhafte Deportationen der Bevölkerung begannen unverzüglich.

Die Unterzeichnung des Paktes zwischen der UdSSR und Hitlerdeutschland hat die Namen Hitlers und Stalins auf immer nebeneinandergestellt.
Die Übereinkunft der beiden Diktatoren über die Aufteilung einer ganzen Region untereinander war und bleibt das grellste Beispiel amoralischer und zynischer Politik, ein Symbol der Verbrechen, die von beiden totalitären Regimen gemeinsam und getrennt voneinander begangen wurden. Nicht zufällig hat das Europaparlament 2009 vorgeschlagen, den 23. August als Gedenktag der Opfer totalitärer Regime zu begehen.

Leider aber sind auch heute die russische Gesellschaft und besonders die russischen Staatsorgane nicht bereit, die Ereignisse der Jahre 1939 bis 1941 angemessen zu beurteilen.

Viele russische Politiker von Rang rechtfertigen nach wie vor den Einmarsch in Polen am 17. September 1939, der mit voller Zustimmung und in Abstimmung mit den Hitlerfaschisten vollzogen wurde. Und wenn sie ihn nicht der Stalinschen Propaganda folgend als „Befreiungsfeldzug“ nennen, so begründen sie ihn mit der „Sorge um die Brudervölker“ und Erwägungen zum „Schutz der Bevölkerung“.

Wenn es so weit gekommen ist, dass ein offiziöser Politologe die „Sammlung deutscher Erden“ durch Hitler rechtfertigt, macht es dann Sinn, auf eine Verurteilung Stalins zu warten, der sich – so sehen es die Hurrapatrioten – mit dem Sammeln russischer Erden mit denselben Methoden wie Hitler befasste?

Widerlich und erbärmlich sind die heutigen Versuche dieser „Patrioten“ der Debatte über die Folgen des Molotow-Ribbentrop-Paktes unter dem Vorwand zu entgehen, dass dies angeblich das Andenken der sowjetischen Soldaten beleidige, die im Kampf gegen den Faschismus gefallen sind. Es ist genau umgekehrt: das Andenken der Gefallenen fordert es, die die UdSSR anführenden Verbrecher, die einen Handel mit Hitler abschlossen, unmissverständlich zu verurteilen.

Quelle: Jeschednewny schurnal

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