Putins Tanz

Putins Tanz

Von Witali Portnikow, zuerst erschienen am 26. August 2014 bei Newsru.ua

Beim Minsker Treffen geht es nicht um die Ukraine. Es geht um Weißrussland und Kasachstan.

26. August 2014: Treffen zwischen den Staatschefs der Eurasischen Zollunion, dem Präsidenten der Ukraine und Vertretern der EU in Minsk

26. August 2014: Treffen zwischen den Staatschefs der Eurasischen Zollunion, dem Präsidenten der Ukraine und Vertretern der EU in Minsk
(Quelle: www.kremlin.ru)

Die Frage, mit der sich die Journalisten befassen – und das Interessanteste ist dabei: nicht nur die ausländischen, sondern auch die ukrainischen Journalisten – ist heute die nach den Ergebnissen des Treffens in Minsk. Wird es gelingen, einen Kompromiss zu erreichen, wird ein Treffen der Präsidenten Russlands und der Ukraine stattfinden und welche Bedingungen könnte Wladimir Putin stellen? Aus irgendeinem Grund will niemand begreifen, dass Wladimir Putin nicht auf Minsk und die „Multiformat“-Gespräche unter Teilnahme der Zollunion-Staatschefs und der EU hätte warten müssen, wenn der russische Präsident Petro Poroschenko wirklich irgendwelche Bedingungen stellen und mit ihm sprechen wollte. Die Organisation eines Treffens mit dem ukrainischen Präsidenten wäre für den russischen Präsidenten problemlos möglich, wenn denn nur Putin selbst solche Gespräche wollte.

Das Wesen des Treffens in Minsk besteht gerade darin, dass Putin keine Gespräche will, keinerlei Kompromisse anstrebt und keinerlei Bedingungen stellen wird. Er ist – wie auch seine engste Umgebung – überzeugt von der Richtigkeit des gewählten Kurses, von der Schwäche des Westens, vom unvermeidlichen Scheitern der derzeitigen ukrainischen Regierung und vom Entstehen eines neuen Imperiums im postsowjetischen Raum nach sowjetischem Vorbild. Und da nicht nur die Ukraine, sondern auch Weißrussland und Kasachstan Teile dieses Imperiums werden sollen, will er ihren Staatschefs keine Möglichkeit geben, sich vorzeitig vom Haken loszureißen – umso mehr als nicht einmal der Generalissimus Schojgu in der Lage wäre, zeitgleich in der Ukraine, Weißrussland und Kasachstan Krieg zu führen.

Putin zogen seine scheinbaren Verbündeten Nasarbajew und Lukaschenko an der Angelschnur nach Minsk. Sie können schlicht nicht glauben, dass er ihnen das Los seiner Höflinge zugedacht hat und versuchen irgendeinen anderen, geheimen Sinn in den Taten des russischen Herrschers zu finden. Vielleicht liegt es an Kiews schlechtem Betragen? Vielleicht ist es der Groll gegen den Westen? Vielleicht gefällt ihm die EU-Assoziation nicht? So muss man sich doch an einen Tisch setzen und sich darüber verständigen, was die Probleme sind? Ansonsten fangen die Ereignisse schon an den weißrussischen und den kasachischen Präsidenten zu stören.

Würde man Lukaschenko und Nasarbajew sagen, dass es keinen geheimen Sinn in den Taten Putins gibt – abgesehen von der Liquidierung zuerst der ukrainischen und danach der weißrussischen und kasachischen Staatlichkeit – sie würden es einfach nicht glauben. Aber trotzdem müssen selbst sie mit dieser offensichtlichen Wirklichkeit rechnen – nur nicht vor, sondern nach dem Treffen in Minsk.

Genau deshalb geht es bei dem Treffen in Minsk nicht um die Ukraine. Es geht um Weißrussland und Kasachstan. Putin vollführt einen rituellen Tanz persönlich für Lukaschenko und Nasarbajew ausschließlich zu dem Zweck, dass sie sich von seiner Angemessenheit und Friedensliebe überzeugen und an die Unangemessenheit Poroschenkos glauben. Falls die Wirklichkeit eine andere sein wird und Lukaschenko und Nasarbajew andere Schlüsse ziehen, wird das Putin nicht im geringsten beunruhigen. Umso schlimmer also für die Wirklichkeit und für Lukaschenko und Nasarbajew.

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