Separatistenkämpfer: Russische Nationalisten werden Donbass verlassen

Separatistenkämpfer: Russische Nationalisten werden Donbass verlassen

Laut Putins Propagandamaschine kämpfen die „Volksmilizen“ des Donbass bekanntlich gegen eine „Junta“ in Kiew, die mit Hilfe ukrainischer Faschisten an die Macht gekommen sei. Ebenso bekannt sollte sein, dass der Kreml seinerseits derzeit auf die Faschisten im eigenen Land zurürckgreift, wenn es gilt, die eigenen Interessen im Nachbarland durchzusetzen. So kämpfen in den Reihen der ostukrainischen Separatisten massenhaft Angehörige russischer, nationalistischer Gruppierungen, wie etwa der „Russischen Nationalen Einheit“ (russ. „Русское национальное единство“). In deren Emblem ist übrigens unschwer das Hakenkreuz der deutschen Nationalsozialisten zu erkennen.

Die Zeit, in der der Kreml die russischen Nationalisten und Faschisten als nützliche Idioten im Nachbarland unterstützt hat und gewähren ließ, könnte jetzt jedoch zu Ende sein. Darauf weist zumindest eine Äußerung des russischen Rechtsradikalen Anton Rajewski hin, die der Journalist Oleg Kaschin auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat. Rajewski, der in der Ukraine gekämpft hat und sich derzeit in Russland aufhält, schreibt von seinem Entschluss, nicht in den Donbass zurückzukehren, er habe keine Lust für ein „NowoJedrossija“ und „Putins Schützlinge“ zu kämpfen. „NowoJedrossija“ ist eine Verquickung der Begriffe „Noworossija“, also Neurussland – so bezeichnen die Separatisten den von ihnen angestrebten unabhängigen Staat – und „Jedinaja Rossija“ (Einiges Russland), dem Namen der Kremlpartei.

Außerdem beschuldigt er die russischen Staatsorgane, in den Separatistengebieten für den Tod von russischen Oppositionellen verantwortlich zu sein:

Russischer Nationalist Anton Rajewski

Anton Rajewski
(Quelle: Belorusski Partisan)

„Überhaupt werden jetzt alle rechten, viele rechte, russische Nationalisten gezwungen sein, das Gebiet der DVR (Donezker Volksrepublik) schnell zu verlassen, denn man wird sie nicht nur von den führenden Posten absetzen und überhaupt aus der Armee entfernen, aus den staatlichen Strukturen, sondern es kann ihnen dieselbe Geschichte widerfahren, über die ich geschrieben habe, die Geschichte der zehn russischen Freiwilligen, die versehentlich von Angehörigen der DVR-Armee getötet wurden. Das alles wurde durch den FSB betrieben. Das heißt, hier auf dem Gebiet der Russischen Föderation kann der FSB nicht irgendjemanden einsperren ohne irgendeine Datengrundlage, irgendeine Anschuldigung, er kann ihn nicht wegschaffen. Aber dort jenseits der Grenze können sie jeden Oppositionellen, der dem Putin-Regime nicht passt, liquidieren. Danach wird natürlich alles umgeschrieben, dass sie angeblich von ukrainischen Soldaten erschossen wurden, von den Nationalgardisten dort. Dabei haben das alles nicht ukrainische Soldaten, sondern FSBler gemacht.“

Inwieweit Rajewskis schwere Anschuldigungen begründet sind, lässt sich kaum überprüfen. Dass der Kreml jedoch bemüht sein könnte, ihm nicht genehme Kräfte aus den Reihen der Separatisten herauszudrängen, scheint nicht unwahrscheinlich. In der ersten Phase des Krieges um die Ostukraine konnte es ihm noch egal sein, wer dort für seine Zwecke kämpft und sein Leben riskiert. Jetzt, da sich immer mehr ein direktes Eingreifen russischer Armeeeinheiten abzeichnet, könnten die als Freiwillige kämpfenden Nationalisten überflüssig geworden sein. Da sich sich das Szenario einer stabilen Abspaltung nach Vorbild Abchasiens, Südossetiens oder Transnistriens außerdem immer mehr konkretisiert, muss Moskau natürlich auch dafür sorgen, dass die richtigen Leute an die Schalthebel im Donbass gelangen. Und das kann natürlich niemand sein, der sich in Russland als Gegner Putins versteht.

Quelle: Belorusski partisan

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