24 Jahre nach dem Ende der Okkupation: Russland nimmt Strafverfolgung litauischer Kriegsdienstverweigerer wieder auf

24 Jahre nach dem Ende der Okkupation: Russland nimmt Strafverfolgung litauischer Kriegsdienstverweigerer wieder auf

Soldaten der Sowjetarmee, Januar 1992

Soldaten der Sowjetarmee, Januar 1992

Die russische Sehnsucht, sich mit der Supermacht Sowjetunion zu identifizieren, scheint inzwischen groteske Züge anzunehmen. So riet die litauische Verfassungsschutzbehörde VSD Bürgern, die nach der litauischen Unabhängigkeitserklärung am 11. März 1990 die Sowjetarmee verlassen haben, dringend von Reisen nach Russland, Weißrussland und in andere Staaten, die nicht EU- oder NATO-Mitglieder sind, ab. Grund dafür ist offenbar ein Rechtshilfeersuchen, das russische Behörden an die litauische Generalstaatsanwaltschaft gestellt haben. Dieses betrifft drei litauische Angehörige der Sowjetarmee, die 1990 einem Aufruf der Regierung in Vilnius folgend ihren Wehrdienst eigenmächtig beendet hatten. Nach sowjetischem Recht handelte es sich dabei schlicht um Desertion, die strafrechtlich zu verfolgen war. Moskau scheint es sich nunmehr zur Aufgabe gemacht zu haben, das zu Ende zu bringen, was die sowjetischen Behörden nicht mehr zu Ende bringen konnten.

Wie das litauische Verteidigungsministerium erklärte hätten vor nunmehr 24 Jahren insgesamt 1562 Litauer die Armee auf diese Weise hinter sich gelassen oder ihren Einberufungsbefehl ignoriert. In der Folge mussten sie sich vor den sowjetischen Sicherheitsdiensten verstecken. Wer gefasst wurde und Glück hatte, wurde zwangsweise in die Kaserne verfrachtet. Pech hatten 21 junge Männer, die laut Angaben des Ministeriums in die russische Straflagerregion Magadan deportiert wurden, 20 weitere seien zu Gefängnisstrafen verurteilt worden, drei seien gar im Zusammenhang mit ihrer Verfolgung zu Tode gekommen.

Es ist wohl überflüssig festzustellen, dass es sich um die Wiederaufnahme der Strafverfolgung und das entsprechende Rechtshilfeersuchen an die litauischen Behörden ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt um eine gezielte Provokation im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise handelt. Sie kann in einem Atemzug mit der Gefangennahme des estnischen Sicherheitspolizisten Eston Kohver genannt werden. Die estnische Regierung behauptet, Kohver sei von estnischem Staatsgebiet nach Russland verschleppt worden. Der Welt-Journalist Jörg Eigendorf sagte unlängst in einer Fernseh-Talkrunde sinngemäß, Russland sei es ganz Recht, wenn sich die Aufmerksamkeit der NATO auf den Schutz des Baltikums richte. So könne man in der Ukraine ungestört den eigenen Plan weiterverfolgen.

Quelle: NEWSru.ua

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