Kreml empört über rumänische Vorstöße zu einer Vereinigung mit Moldawien

Kreml empört über rumänische Vorstöße zu einer Vereinigung mit Moldawien

Mitten im Sturm der Entrüstung über die Annexion der Halbinsel Krim durch Russland, wandte sich Präsident Wladimir Putin im März direkt an die Deutschen. Er sei sich sicher, dass besonders sie den Wunsch der Bevölkerung in Russland und auf der Krim nach einer „Wiedervereinigung“ verstehen und unterstützen würden. Schließlich habe Russland vor 24 Jahren – damals noch in Form der Sowjetunion – auch den Wunsch der Deutschen nach der staatlichen Einheit ihres Landes unterstützt. Die von anderen erwartete Fähigkeit, sich in die Lage fremder Völker hineinzuversetzen, um ihre Wünsche zu verstehen, scheint bei der Moskauer Führung heute jedoch selbst verkümmert zu sein.

Rumäniens Ministerpräsident Victor Ponta

Rumäniens Ministerpräsident Victor Ponta
(Quelle: Partidul Social Democrat)

Auf einen Aufruf des rumänischen Ministerpräsidenten Victor Ponta zu einer Vereinigung seines Landes mit Moldawien reagierte man im Kreml nämlich keineswegs mit Verständnis, sondern mit Empörung. In einer Erklärung des Moskauer Außenministeriums heißt es, aus den Worten Pontas sei zu schließen, „dass bestimmte politische Kreise in Bukarest nach wie vor Annexionspläne gegenüber dem souveränen, neutralen Nachbarland hegen“. Pontas Handeln sei „unverantwortlich und inakzeptabel“. Es müsse nunmehr aus Chisinau ebenso wie aus Brüssel eine „angemessene Reaktion“ erfolgen.

Die harsche Antwort des Kreml auf die nicht nur von Ponta derzeit wieder zu vernehmenden „großrumänischen“ Töne ist im Lichte der Moskauer Einkreisungsparanoia zu sehen. Eine Wiedervereinigung Rumäniens mit dem – in der russischen Erklärung wird dies ausdrücklich hervorgehoben – „neutralen“ Moldawien, wäre mit der geopolitischen Brille betrachtet nichts anderes als ein weiteres Vorrücken von NATO und EU gen Osten. Dass man Bukarest von vornherein vorwirft, dieses Ziel auf dem Wege einer Annexion erreichen zu wollen, hat in Anbetracht der jüngsten Ereignisse um die Krim etwas unfreiwillig Komisches – wenn nicht gar Entlarvendes – an sich.

Sollten sich beide Völker – Rumänen und Moldawier – auf demokratischem Wege für eine Vereinigung entscheiden, wäre dem argumentativ kaum etwas entgegenzusetzen. Zweifellos handelt es sich bei den Menschen beiderseits des Grenzflusses Prut historisch um eine Nation. Ihre Trennung haben sie nicht selbst verschuldet, sie geht auf das Konto der Großmachtambitionen der übermächtigen Nachbarn. Einer davon war Russland. Erst der Kollaps des Zarismus ermöglichte den Rumänen die Vereinigung in einem Staat – jedoch nur für kurze Zeit. Infolge des berüchtigten Hitler-Stalin-Paktes annektierte Moskau das Gebiet des damals noch als „Bessarabien“ bezeichneten Territoriums und verleibte es sich als „Moldawische Sowjetrepublik“ ein. Während des Krieges, als die faschistische Regierung in Bukarest an der Seite Hitlers gegen die Sowjetunion kämpfte, gehörte Moldawien noch einmal kurze Zeit zu Rumänien.

Karte: Rumänien und Moldawien in einem Staat vereinigt

Rumänien und Moldawien in einem Staat vereinigt


Sollten die Vereinigungspläne auf moldawischer Seite Anklang finden, so könnte Moskau seine Destabilisierungspolitik auch in Moldawien anwenden. Wenn das Faustpfand Transnistrien als eingefrorener Konflikt nicht mehr ausreicht, um Chisinau das Streben nach einer Westbindung des Landes auszutreiben, so könnte man einen neuen Konflikt schaffen. Das kleine Turkvolk der Gagausen, die im Süden Moldawiens leben, gilt als Fünfte Kolonne Moskaus. Da sie hauptsächlich Landwirtschaft betreiben und ihre Produkte fast ausschließlich nach Russland exportieren, haben sie verständlicherweise kein Interesse an einer Beeinträchtigung der moldawisch-russischen Handelsbeziehungen. Für den Fall, dass das geplante Assoziierungsabkommen mit der EU kommt, hatten die Gagausen in der Vergangenheit schon einmal damit gedroht, sich für unabhängig zu erklären.

Quelle: MKRU

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