Michail Kassjanow: In 1½ bis 2 Jahren könnte der Zerfall Russlands beginnen

Michail Kassjanow: In 1½ bis 2 Jahren könnte der Zerfall Russlands beginnen

erstmals erschienen bei Belorusski Partisan am 18. September 2014

Der ehemalige Ministerpräsident der Russischen Föderation Michail Kassjanow denkt, dass Putin Russland um des Machterhalts willen Russland in einen faschistischen Staat verwandelt. Dabei haben seiner Meinung nach die Sanktionen des Westens die tiefe Krise im Lande beschleunigt und schon in den nächsten 1 ½ bis 2 Jahren könne man mit dem Auftreten von Zerfallstendenzen der Föderation rechnen.

Um in einer solch schwierigen Lage die Macht zu erhalten, benötige Putin einen äußeren Feind. Als solchen Feind habe man im Kreml die Ukraine auserkoren. Davon der russische Ex-Premierminister Michail Kassjanow – heute einer der Anführer der russischen Opposition – in Warschau bei einem Treffen mit polnischen Intellektuellen.

Januar 2000 im Kreml: Präsident Putin mit dem damaligen ukrainischen Ministerpräsidenten Wiktor Juschtschenko und dem damaligen russischne Vize-Premier Michail Kasjanow

Januar 2000 im Kreml: Präsident Putin mit dem damaligen ukrainischen Ministerpräsidenten Wiktor Juschtschenko (links) und dem damaligen russischne Vize-Premier Michail Kassjanow (rechts)
(Quelle: www.kremlin.ru)

Wie Radio Swaboda berichtet, widmete Michail Kassjanow bei seiner Rede zur gegenwärtigen Situation in Russland einen beträchtlichen Teil seines Auftritts der Lage in der Ukraine. Seinen Worten nach habe Putin im Jahr 2008, nach dem Krieg mit Georgien, sozusagen ein Mandat zur Aggression gegen die Ukraine erhalten. Der Meinung des russischen Ex-Premiers nach habe die zahnlose Politik des Westens Putin faktisch Handlungsfreiheit gewährt. Zu den Gründen der Aggression Russlands gegen die Ukraine fragt Kassjanow rhetorisch:

„Welches ist Putins Ziel bezüglich der Ukraine? Das Hauptziel ist zweifellos der innenpolitische Machterhalt. Um aber die Macht zu erhalten, braucht er einen äußeren Feind und siegreiche Kriege.“

Kassjanow sagt, dass in der derzeitigen Lage eine Einmütigkeit der EU, der USA und Kanadas die größte Hilfe für die Ukraine in ihrer Konfrontation mit Russland sein könne. Diese Länder müssen nach Meinung des Politikers konsequent an die Unrechtmäßigkeit der Annexion der Krim erinnern und auf einen Abzug aller russischen Armeeangehörigen aus der Ukraine hinarbeiten.

Putin ist von den Sanktionen des Westen schockiert

Kassjanow behauptet, Putin sei von den Sanktionen, die die westlichen Staaten beschlossen haben, schockiert. Seinen Worten zufolge, habe man im Kreml gehofft, dass der Westen die Aggression gegen die Ukraine wortlos schluckt, ebenso wie es im Falle des Krieges mit Georgien war. Der russische Präsident, ein Zögling des KGB, denkt, dass man alles in der Welt kaufen kann. Er glaubt nicht, dass solche Werte wie Menschenrechte, Freiheit und Demokratie wirklich wichtig sind für die westlichen Politiker.

„Putin glaubt nicht daran. Er leidet sehr und befindet sich im Schockzustand, weil sogar jene Angela Merkel in Deutschland, der er so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat, als er sehr profitable Verträge an deutsche Unternehmen vergeben hat, ihre Unterschrift unter die Sanktionen setzte.“ – erklärt der russische Oppositionelle.

Michail Kasjanow 2009 auf einer Oppositionskundgebung

Michail Kassjanow (mit Brille) 2009 auf einer Oppositionskundgebung
(Quelle: Lena Lebedeva-Hooft (http://lenaswan.livejournal.com/profile))

Den Worten Kassjanows zufolge habe Putin gegenüber dem Westen den Vorteil, dass er unberechenbar sei, er sei sozusagen ein Monarch. Der russische Präsident halte die westlichen Politiker für schwach, weil sie sich im Gegensatz zu ihm beraten und ihre Entscheidungen abstimmen müssten.

„Faktisch sehen wir, dass jetzt alle Merkmale eines Regimes vorhanden sind, das aus einem autoritären Regime in ein Regime mit Elementen des Faschismus umgewandelt wird. Es ist den Regimen Mussolinis und Francos sehr ähnlich“  bemerkt Kassjanow.

Als er über die denkbarsten Szenarien der Entwicklung der Ereignisse in Russland spricht, nennt Kassjanow die beiden seiner Meinung nach wahrscheinlichsten.

„Das eine davon, das ich für das schrecklichste und inakzeptabelste halte, ist eine Verstärkung der Merkmale eines faschistischen Regimes in Russland. Ich hoffe, dass dieses schreckliche Szenario nicht stattfinden wird. Was das zweite Szenario angeht, so denke ich, dass Putin doch kein Verrückter ist und verstehen muss, dass er mit seinem Bluff verloren hat und mit seinen Abenteuern, deshalb muss er eine Strategie zum Ausstieg aus dieser Lage suchen“, sagt Michail Kassjanow.

Seinen Angaben zufolge würden sich schon Ende dieses Jahres in der russischen Wirtschaft Erscheinungen bemerkbar machen, die in der nächsten Zukunft zum wirtschaftlichen Kollaps des Staates führen würden. Die Sanktionen des Westens beschleunigten die tiefe Krise in der Russischen Föderation, infolge derer sich in den nächsten 1 ½ bis 2 Jahren das Schicksal des russischen Staates entscheiden würde, in dem zu jener Zeit dann Tendenzen des Zerfalls der Föderation sichtbar würden.

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