Ukraine: Präsidentenblock zieht in neuer Umfrage allen davon

Ukraine: Präsidentenblock zieht in neuer Umfrage allen davon

Die Ukrainer sollen bekanntlich am 26. Oktober die Zusammensetzung des Parlaments neu bestimmen. Eine neue Umfrage sagt nun einen hohen Sieg der Wahlallianz von Präsident Petro Poroschenko voraus. Von denen, die an der Wahl teilnehmen werden und sich bereits für eine Partei entschieden haben, bekäme die Liste des Staatsoberhauptes knapp 46% der Stimmen. Der zwischenzeitliche Umfragensieger Oleh Ljaschko stürzt dagegen mit seiner Radikalen Partei auf knapp 14% ab. Auf den dritten Platz käme demnach die Partei „Bürgerposition“ von Anatoli Hryzenko mit 8,1%. Auf den gleichen Wert käme Julija Tymoschenkos Partei „Vaterland“. Auf Platz fünf folgt die „Volksfront“ von Premierminister Arsenij Jazenjuk mit 5,6%. Alle weiteren politischen Kräfte scheitern in diesem Szenario an der 5%-Hürde.

Petro Poroshenko

Präsident Petro Poroschenko

Weiterhin keine Radikalisierung

Die Befragung wurde vom 5. bis 10. September in allen Regionen der Ukraine, außer der Krim und den von Separatisten kontrollierten Gebieten, durchgeführt. Die häufig geäußerte Befürchtung, die Wählerschaft könnte sich angesichts der faktischen Kriegssituation den radikalen, nationalistischen Kräften zuwenden, wird durch das Umfrageergebnis ein weiteres Mal widerlegt. Mehr noch: die nationalistische Partei Swoboda würde an der 5-Prozent-Hürde scheitern und damit keine Listen-Kandidaten mehr ins Parlament entsenden können. Auch der Populist Oleh Ljaschko mit seiner „Radikalen Partei der Ukraine“ kann demnach nicht mehr so sehr von der Lage profitieren, wie es eine Anfang August veröffentlichte Umfrage vermuten ließ.

Atomisierung des einstigen „prorussischen“ Lagers

Bemerkenswert ist auch bei dieser Umfrage das nahezu totale Verschwinden der früher vereinfachend als „prorussisch“ klassifizierten Kräfte, deren Hochburgen im Osten und Süden des Landes lagen. Die „Partei der Regionen“ (PR) des gestürzten Autokraten Wiktor Janukowytsch erklärte kürzlich ihren Verzicht auf eine Teilnahme an der Parlamentswahl – wäre aber ohnehin chancenlos gewesen. Die Kommunisten und auch die Partei „Starke Ukraine“ des ehemaligen Vize-Premiers Serhij Tihipko würden an der Sperrklausel scheitern. Die Marginalisierung eines ganzen politischen Lagers lässt sich wohl nicht allein mit dem Verlust seiner Hochburgen durch die Krim-Annexion und die Abspaltung des Donbass oder gar mit dem Ansehensverlust der prorussischen Sache in der derzeitigen Krise erklären. Eher ist zu vermuten, dass viele der ehemaligen PR-Wähler in der Gruppe der Nichtwähler wiederzufinden sind. Bei entsprechend attraktiver Ansprache – die derzeit offenbar nicht gegeben ist – könnte dieses Wählerpotenzial reaktiviert werden.

Quelle: Segodnja.ua

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