Russisches Innenministerium benennt Division nach Feliks Dzierżyński

Russisches Innenministerium benennt Division nach Feliks Dzierżyński

In Russland gibt es ab sofort wieder eine Truppendivision des Innenministeriums, die den Namen „Feliks Dzierżyński“ trägt. Der Name wurde der Division laut Behördenwebsite „für Heldentum und Tapferkeit, Standhaftigkeit und Mut“ verliehen, die die Angehörigen der Einheit „in Kampfhandlungen zum Schutz des Vaterlandes und der staatlichen Interessen“ gezeigt hätten.

Feliks Dzierżyński

Feliks Dzierżyński
(Quelle: Bundesarchiv, Bild 102-00032 / CC-BY-SA)

Feliks Dzierżyński (1877-1926) gilt als Begründer des sowjetischen Geheimdienstes. Nach der Machtübernahme der Kommunisten im Zuge der Oktoberrevolution bildete er das „Allrussische Außerordentliche Komitee zur Bekämpfung von Konterrevolution und Sabotage“ – besser bekannt unter dem russischen Kurzwort „Tscheka“. Dies war die Vorgängerorganisation des Stalinschen NKWD sowie des späteren KGB. Die Tscheka betrieb in den ersten Jahren der Sowjetmacht die als „Roter Terror“ bezeichnete massive Verfolgung all jener, die vermeintliche oder tatsächliche Feinde der neuen Staatsmacht waren. Dabei setzte man bewusst auf die abschreckende Wirkung des brutalen Durchgreifens – die Wahrheitsfindung spielte eine nachrangige Rolle. Die Zahl derer, die in dieser Zeit Massenexekutionen zum Opfer fielen, Folter oder Lagerhaft nicht überlebten, wird auf 250.000 bis 1 Million geschätzt. Dzierżyńskis Roter Terror war somit das Präludium zu Stalins „Großem Terror“ in den Dreißiger Jahren.

In der gesamten Sowjetunion und den Ländern des sozialistischen Lagers entstanden nach seinem Tod zahlreiche Denkmäler zu Ehren Feliks Dzierżyńskis. In der DDR trug etwa ein Wachregiment des Ministeriums für Staatssicherheit seinen Namen. Das bekannteste Monument stand vor der Moskauer Geheimdienstzentrale „Lubjanka“. Wie die meisten Dzierżyński-Denkmäler wurde es nach der politischen Wende in Osteuropa entfernt – es steht heute in einem Moskauer Skulpturenpark. Immer wieder wird vorgeschlagen, es wieder an seinem alten Platz auf dem Lubjanka-Platz aufzustellen, was die Moskauer Stadtverwaltung bislang stets ablehnte.

Angesichts der Entscheidung des Innenministeriums erscheint es jedoch keineswegs ausgeschlossen, dass die Behörden eines Tages ihre Meinung ändern könnten. Bürgerrechtler sind über die von Präsident Putin per Ukas bestätigte Namensvergabe empört. Die Vorsitzende des Moskauer Helsinki-Komitees, Ljudmila Alexejewa, erklärte, die Regierung ignoriere einfach die Meinung derjenigen, die ihre Entscheidung kränken könnte. Sergej Kriwenko, Mitglied des Menschenrechtsrats des Präsidenten, sagte:

Meiner Meinung nach ist das absolut unangemessen. Genauso wie man das Dzierżyński-Denkmal im Moskauer Stadtzentrum nicht aufstellen kann, so kann man heute keine bestehende Division der Truppen des Innenministeriums, die heutzutage einem völlig anderen Zweck dient, so benennen. Und natürlich rufen solch anrüchige Namen wie Dzierżyński Fragen hervor, wenn sie verwendet werden, weil es in der Gesellschaft heute ein sehr uneindeutiges Verhältnis zu Dzierżyński gibt.

Dzierzynski-Division

Truppen des Innenministeriums
(Quelle: MVD RF, Vnutrennie vojska)

Das Innenministerium zeigte sich von der Kritik unbeeindruckt. Die Namensvergabe sei auf Wunsch von Veteranen erfolgt. Man knüpft damit an die zu Sowjetzeiten bestehende gleichnamige Division an. In den 1930er Jahren wurde diese zum Schutz von staatlichen Einrichtungen in Moskau eingesetzt und bekämpfte Aufständische in Zentralasien. Ihre Angehörigen nahmen am Krieg gegen Nazideutschland teil und wurden als Wachbataillon der Konferenzen in Jalta und Potsdam eingesetzt. In der Nachkriegszeit sorgte die Dzierżyński-Division bei Massenveranstaltungen wie der Olympiade 1980 in Moskau für den „Schutz der öffentlichen Ordnung“. Sie half bei der Beseitigung der Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Ihre letzten Einsätze hatte die Division in ethnischen Konflikten der schon im Zerfall begriffenen Sowjetunion, so etwa in Bergkarabach oder Tschetschenien.

Quelle: NEWSru.com

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