Oligarch Jewtuschenkow als erstes Opfer der Sanktionen?

Oligarch Jewtuschenkow als erstes Opfer der Sanktionen?

Die Anklage gegen den russischen Milliardär Wladimir Jewtuschenkow schockte in der vergangenen Woche die russische Geschäftswelt. Bei aller Willkür des russischen Justizsystems schien man bisher vor gezielten juristischen Attacken sicher, solange man sich dem Kreml loyal zeigte. Mit dem Fall Jewtuschenkow wurde diese Regel, ein schrilles Zerrbild der für Russland immer wieder geforderten Rechtssicherheit, erstmals gebrochen. In einem Artikel für die Nowaja Gaseta schreibt der Politologe Wladimir Pastuchow, diese Übereinkunft sei somit von der Staatsmacht aufgekündigt worden. Es sei das „unzweideutige Signal an alle Vermögenden und Einflussreichen: jene Beziehungen zur Macht, die es früher gab, wird das ‚Oligarchat‘ nicht länger haben. Das ist eine Revolution, Kinder!“ Die Zeit der „Willkür für die anderen“ sei zu Ende, nun breche die Zeit der „Willkür für alle“ an. Schließlich ist der unter Hausarrest gestellte Oligarch Jewtuschenkow nun nicht anders dran als Regimegegner Nawalny. Viele, so Pastuchow, stellten jetzt plötzlich fest, dass sie mit letzterem auf einem Planeten leben und nicht etwa in unterschiedlichen Galaxien.

Wladimir Jewtuschenkow

Milliardär Wladimir Jewtuschenkow
(Quelle: Wikimedia Commons / Dyor)

Den Grund für die Justizattacke auf einen der reichsten Männer Russlands sieht Wladimir Pastuchow darin, dass dem russischen Staat das Geld ausgehe. Putins Russland gewähre ausgewählten Gruppen Zugriff auf die Staatskasse. Wenn der unter Ihnen aufzuteilende Kuchen kleiner werde, komme es zwangsläufig zu Begehrlichkeiten und Übergriffen der Gruppen untereinander. Ein Grund für die sinkenden Staatseinnahmen und den damit kleiner werdenden Kuchen sind zweifelsohne die vom Westen für die Ukraine-Politik des Kreml verhängten Strafmaßnahmen. Somit sei Jewtuschenkow das erste ernstzunehmende Opfer westlicher Sanktionen. Und Pastuchow ist sich sicher, dass er nicht der letzte sein wird, der in Ungnade fällt. Die russische Führung könne vor den auch durch die vielen Kostgänger verursachten, immer zahlreicheren Löchern im Budget einfach nicht mehr die Augen verschließen. Die Schockwelle, die das Vorgehen gegen Jewtuschenkow ausgelöst hat, scheint einstweilen aber auch den Kreml erreicht zu haben. Davon zeugen die am Wochenende erschienenen, widersprüchlichen Meldungen über eine angebliche Aufhebung des Hausarrests.

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