Boris Nemzow: Die Bilanz von Putins Projekt „Neurussland“ fällt fürchterlich aus

Boris Nemzow: Die Bilanz von Putins Projekt „Neurussland“ fällt fürchterlich aus

veröffentlicht auf Facebook am 12. Oktober 2014

Das Projekt Neurussland ist beendet. Putin hat den Rückzug von 17.600 Soldaten an ihre Stationierungsstandorte befohlen. Jetzt kann man durchatmen und ein Fazit ziehen. Und das ist fürchterlich. Nicht eines der Ziele, die Putin gesetzt hatte, wurde erreicht:

1. Er wollte die Ukraine an Russland binden, ihren Beitritt zur Zollunion erreichen. Bekommen hat er das glatte Gegenteil, die Ukraine wählte den europäischen Weg und wird niemals wieder in Putins Einflussbereich zurückkehren.

Boris Nemtsov

Boris Nemzow 2013
(Quelle: Wikimedia Commons / Dhārmikatva)

2. Er wollte die Neutralität der Ukraine erreichen, ihren blockfreien Status erhalten. Eine völlige Pleite. Es ist jetzt schon klar, dass die Ukraine eng und auf lange Zeit mit der NATO verbunden sein wird. Gemeinsame Manöver von Ukraine und NATO finden statt, die militärtechnische Zusammenarbeit mit der Allianz kommt in Gang.

3. Er wollte Respekt von Seiten des ukrainischen Volkes. Er bekam einen Feind für lange Jahre und „Putin-Schwanzkopf“ (das auf ihn gemünzte Schimpfwort, russ. Путин-хуйло; d. Ü.).

4. Er wollte Neurussland von Donezk bis Odessa. Er bekam den kleineren Teil der Oblaste Donezk und Luhansk.

5. Er wollte einen Korridor über Mariupol zur Krim. Er bekam Gegenwehr und Gräben, die die russischen Menschen in Mariupol ausgehoben haben um den Besatzer nicht durchzulassen.

6. Er wollte es so haben wie auf der Krim, ohne einen einzigen Schuss, er bekam 4000 Tote auf beiden Seiten.

7. Er wollte, dass die russische Wirtschaft nicht leidet. Er bekam einen Kapitalabfluss von mehr als 100 Milliarden Dollar, 40 Rubel für einen Dollar (eine Geldabwertung von mehr als 20%) und eine zweistellige Inflation der Lebensmittelpreise. Und dazu einen völligen Stillstand in der Wirtschaft ohne Investitionen und Innovationen.

8. Er wollte Unterstützung von Seiten der Zaristen und Nationalisten (vom Typ Girkin und Sputnik i Pogrom) – er bekam Ihren Ärger und wurde als Verräter tituliert.

9. Er wollte in der internationalen Politik anerkannt bleiben. Und wurde zum Paria. Aus den G8 wurde er rausgeworfen, er wird nirgendwohin eingeladen, alle seine Kumpels sind sanktioniert, niemand will mit ihm reden, außer Luki (Lukaschenko) und Nasarbajew. Und die unterstützen die Einheit der Ukraine und fordern Geld. Besonderen Erfolg hatte Alexander Grigorjewitsch (Lukaschenko) – er bekam 3,5 Milliarden Dollar im Jahr aus dem russischen Budget und teilte dabei noch mit, dass man Russland zwischen der Mongolei und Kasachstan aufteilen müsse.

10. Das einzige was er wollte und auch bekommen hat, ist somit ein hoher Zustimmungswert, der auf der imperialen Hysterie und der zynischen Lüge der Propaganda fußt. Aber das ist nicht für lange. Bald wird das Volk verstehen, dass die Preise gestiegen sind, die Einkommen aber nicht. Alle Schuld auf Obama abzuwälzen wird nicht lange klappen.

So hat er also alle überspielt… In erster Linie Russland.

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