Lukaschenko zur Krim-Annexion: Dann können wir auch gleich Russland zwischen Kasachstan und der Mongolei aufteilen

Lukaschenko zur Krim-Annexion: Dann können wir auch gleich Russland zwischen Kasachstan und der Mongolei aufteilen

In einem Interview mit dem Nachrichtensender euronews hat der weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko ungewöhnlich deutlich seine Meinung zu russischen Begehrlichkeiten gegenüber den Territorien der Nachbarländer klargemacht. Im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise waren sogar in Äußerungen von Staatspräsident Putin Zweifel an der rechtmäßigen Zugehörigkeit des zur Zarenzeit als „Neurussland“ bezeichneten Gebietes zur Ukraine herauszuhören. In der jährlichen Sendung „Direkte Linie“, in der das Staatsoberhaupt ausgewählte Fragen ausgewählter russischer Bürger beantwortet, formulierte Wladimir Putin es so:

Es geht darum die gesetzlichen Rechte und Interessen der Russen und russischsprachigen Bürger des Südostens der Ukraine zu sichern. Ich erinnere daran, dass das doch – ich benutze die Sprache der Zarenzeit – dass das „Neurussland“ ist. Charkow, Lugansk, Donezk, Cherson, Nikolajew und Odessa waren zur Zarenzeit nicht Teil der Ukraine. All diese Gebiete wurden der Ukraine in den Zwanzigerjahren von der sowjetischen Regierung übergeben. Warum sie das getan haben weiß Gott.

Das ist dieselbe Argumentation, mit der auch die Zugehörigkeit der Krim zur Ukraine infrage gestellt wurde. Der „Ukrainer“ Chruschtschow habe aus einer Laune heraus – Gott weiß warum, womöglich war er besoffen – die Krim der Ukraine zugeschlagen, ist da mitunter zu hören.

Weißrussland gehört wohlgemerkt, neben den Ex-Sowjetrepubliken Kasachstan, Kirgisistan und Armenien sowie einer Handvoll weiterer Staaten, zu den Ländern, die die Krim seit den Ereignissen im Frühjahr offiziell als Teil Russlands betrachten. Nichtsdestotrotz lehnt Lukaschenko die Argumentation mit der historischen Zugehörigkeit umstrittener Territorien ab.

Es gibt viele, die sagen, die Krim sei damals zu Unrecht der Ukraine zugeschlagen worden, dass das urrussisches Territorium sei usw. Das ist nicht die richtige Herangehensweise. Dann können wir auch in die Zeit Batu Khans zurückgehen, in die Zeit des mongolisch-tatarischen Jochs. Und dann wird man Kasachstan, der Mongolei und anderen praktisch das gesamte Territorium Russlands und Osteuropas geben müssen. (…) Man darf die Grenzen nicht neu ziehen. Wir haben doch sehr viele internationale normative Rechtsakte beschlossen, die die Stabilität, die Unantastbarkeit der Grenzen festlegen.

Lukaschenkos Äußerung zeigt das wahre Ausmaß der Isolation, in der sich Russland befindet. Die engsten Partner des Kreml mögen zwar dessen offizieller Linie folgen, indem sie etwa das Ergebnis des umstrittenen Referendums auf der Krim anerkennen. Mit der Ideologie, die hinter dem Handeln der russischen Führung steht, ist diese jedoch allein auf weiter Flur. Wie sollte es auch anders sein?

Quelle: Podrobnosti

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