Erneut vermisster Krimtatare tot aufgefunden, weiterer in Lebensgefahr

Erneut vermisster Krimtatare tot aufgefunden, weiterer in Lebensgefahr

Belyal Belyalov

Tot: Student Beljal Beljalow
(Quelle: Krym.Realii / RFE/RL)


Die Krimtataren beklagen seit der Annexion der Halbinsel durch Russland mehrere Vermisstenfälle unter den Angehörigen ihrer Ethnie. Nachdem bereits am 6. Oktober der 25-jährige Edem Assanow in Jewpatorija tot aufgefunden worden war, ist jetzt ein weiterer Toter zu beklagen. Nahe der Krimhauptstadt Simferopol fand man die beiden seit einem Tag vermissten Studenten Beljal Beljalow und Artjom Dairabekow. Für Beljalow kam jede Hilfe zu spät, Dairabekow wurde ins Krankenhaus eingeliefert.

Die staatsnahe Nachrichtenagentur Kryminform meldete, es gebe erste Hinweise darauf, dass die beiden jungen Männern die Droge Spice konsumiert und sich dabei vergiftet hätten. Die ukrainische Agentur Ukrinform meldete dagegen unter Berufung auf Risa Assanow vom Fonds „Krym“ der Krimtataren, die Körper beider Studenten wiesen Schnittwunden auf. Die Überlebenschancen von Dairabekow stünden laut Aussage der Ärzte schlecht.

Für viele Krimtataren und allen voran die Vertreter krimtatarischer Organisationen reiht sich der tragische Fall der beiden Studenten nahtlos in die Reihe von Vermissten- und Todesfällen ein, die nach der Annexion der Halbinsel durch Russland begonnen hat und der ausschließlich Krimtataren zum Opfer fielen. Die Staatsmacht wolle auf diese Weise Angst und Schrecken verbreiten, um möglichst viele Angehörige dieser Volksgruppe, die sich mehrheitlich gegen den Anschluss an Russland ausgesprochen hatte, zur Ausreise zu bewegen – so die Annahme vieler. Ins Bild passt, dass die Ermittlungen in den Vermisstenfällen meist ergebnislos im Sande verlaufen, während die Krimtataren und ihre Institutionen in den vergangenen Wochen und Monaten zahllose Hausdurchsuchungen unter fadenscheinigen Vorwänden über sich ergehen lassen mussten.

Auf einer Sitzung des russischen Menschenrechtsrates konfrontierte der Fernsehjournalist Nikolai Swanidse Staatspräsident Putin mit den Berichten über gezielte Entführungen von Krimtataren. Dieser zeigt sich erstaunt, er höre zum ersten Mal von solchen Dingen, so Putin.

Quellen: NEWSru.com 1, 2; Krym.Realii (RFE / RL)

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