Finnische Briefmarken-Attacke auf die russische Moral

Notorische Schwulenhasser in Russland empören sich derzeit über eine finnische Briefmarkenserie, die dem Werk des Künstlers Touko Laaksonen gewidmet ist. Der 1991 verstorbene Laaksonen, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Tom of Finland“, gilt als Ikone der homoerotischen Kunst. Seine Zeichnungen zeigen muskulöse junge Männer mit überproportional breitem Kreuz und üppiger Ausstattung im Schritt – bisweilen in pornographischen Szenen. Die dargestellten Stereotype – Polizisten, Matrosen, Bauarbeiter – erinnern an den Stil der Gruppe „Village People“.

Tom of Finland Briefmarken

Tom of Finland-Marken der finnischen Post
(Copyright Itella Posti Oy / Finland)

Der staatliche finnische Postkonzern „Itella“ hat im September eine Briefmarkenserie und ein Postkartenset mit vergleichsweise harmlosen Motiven aus dem Werk von Tom of Finland veröffentlicht. Journalisten des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders Yle fragten sich schon damals wie wohl die Reaktion der als homophob verschrieenen russischen Nachbarn auf diese nicht ganz alltäglichen Briefmarkenmotive sein würde. Schließlich könnten diese durchaus als Verstoß gegen das Verbot „homosexueller Propaganda“, das in Russland gilt, aufgefasst werden. In einem Experiment verschickten sie mit den Marken frankierte Briefe an Adressen in Moskau und St. Petersburg. Alle Sendungen wurden anstandslos zugestellt.

Witali Milonow

Witali Milonow – bekanntester Schwulenhasser Russlands
(Quelle: Sm alien / Wikimedia Commons)

Wenn es nach dem Petersburger Politiker Witali Milonow ginge, wäre das nicht passiert. Der Stadtratsabgeordnete ist russlandweit bekannt dafür, dass er den Kampf gegen Schwule und Lesben zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat. Immer dann, wenn sich die Petersburger LGBT-Szene mit einer Aktion oder Veranstaltung in den öffentlichen Raum vorwagt, ist Milonow mit einer Gegendemonstration zur Stelle und schreckt auch vor Handgreiflichkeiten nicht zurück. Nach dem Sieg von Conchita Wurst beim diesjährigen Eurovision Song Contest forderte er ein Einreiseverbot für Tom Neuwirth, den österreichischen Sänger, der hinter der Kunstfigur steckt. Aber der Politiker von der Putin-Partei Einiges Russland verleiht auch in anderen Themenbereichen seiner christlich-nationalistischen Weltsicht Ausdruck. So wollte er die Evolutionslehre aus dem Biologie-Unterricht verbannen und forderte ein Auftrittsverbot für russische Künstler, die sich im aktuellen Konflikt mit der Ukraine solidarisieren.

Dass der 40-jährige Milonow zu den finnischen Briefmarken nicht würde schweigen können, liegt auf der Hand. So forderte er jetzt die russische Post dazu auf, Briefe und Pakete, die mit den unanständigen Postwertzeichen freigemacht wurden, umgehend an die finnischen Absender zurückzuschicken. Gleichgesinnte aus Finnland, die das Erscheinen der Marken ebenso empört habe, hätten ihn darauf aufmerksam gemacht, sagte er der Nachrichtenagentur TASS, und weiter:

Diese Marken verstoßen gegen russische Gesetze. Sie sind Elemente der Propaganda des Homosexualismus, die in unserem Land verboten ist. Ich bitte die Leitung der „Potschta Rossii“ („Post Russlands“) mein Anliegen aufmerksam zu prüfen. Außerdem bitte ich die Finnen, unsere nächsten Nachbarn, diese Marken für die Versendung von Briefen nach Russland nicht zu verwenden.

Während sich die einen – auch in Finnland – über den vermeintlichen moralischen Verfall ärgern, freuen sich die anderen am Erfolg der Tom of Finland-Marken. Nie in der finnischen Postgeschichte wurde eine Postwertzeichenserie so oft verkauft wie diese. Bei Itella gingen Bestellungen aus 178 Ländern ein.

Quelle: NEWSru.com

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