Neues "Pech" für Doschd - Fernsehsender muss binnen weniger Wochen sein Quartier räumen

Neues „Pech“ für Doschd – Fernsehsender muss binnen weniger Wochen sein Quartier räumen

Der als kremlkritisch geltende Fernsehsender Doschd wurde aufgefordert, seine Räumlichkeiten im Gebäude der ehemaligen Schokoladenfabrik „Roter Oktober“ bis zum 15. November freizumachen. Zuvor war der Mietvertrag nicht verlängert worden und im Juni ausgelaufen. Doschd plante seinen Umzug für Januar nächsten Jahres. Doch urplötzlich hieß es nun in einem Brief der Immobiliengesellschaft vom 14. Oktober, dass auf der von Doschd gemieteten Etage ab 16. November „Renovierungsarbeiten“ beginnen. Die neuen Räume, nur ein paar Hundert Meter entfernt, nahe der Metrostation Park Kultury, sind jedoch noch nicht bezugsfertig. Doschd müsste also binnen kürzester Zeit ein Ausweichquartier finden. Der Radiosender Echo Moskwy hat angeboten, man könne notfalls sein kleines Fernsehstudio nutzen. Das Erklärte Echo-Chefredakteur Alexei Wenediktow via Twitter.

Doschd hat seit Anfang des Jahres mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach einer von vielen Russen als skandalös aufgefassten Umfrage zur Leningrader Blockade flog der Sender praktisch aus allen Kabelnetzen und von allen Fernsehsatelliten und ist in Russland heute nur noch via Internet zu empfangen. Dass die Umfrage mehr Vorwand als Grund war, den unbequemen Sender zurechtzustutzen, liegt auf der Hand. Der dramatische Reichweitenverlust führte denn auch in eine existenzielle Krise. Doschd reagierte mit Personal- und Lohnkürzungen und dem Umbau zu einem Pay-TV-Kanal. Dass der schon totgesagte Sender heute überhaupt noch existiert, grenzt an ein Wunder – und motiviert den russischen Staat offenbar zu neuen Schikanen. Denn abgesehen von der Räumungsaufforderung aus heiterem Himmel wurde zufällig in diesem Jahr auch ein Gesetz verabschiedet, das Fernsehwerbung in Bezahlsendern verbietet. Es tritt am 1. Januar 2015 in Kraft und bedeutet neue Finanzierungsschwierigkeiten für Doschd.

Quelle: NEWSru.com; Bildquelle: www.kremlin.ru

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