Ukraine: Hohe Protestbereitschaft in der Bevölkerung, große Mehrheit für EU-Annäherung

Ukraine: Hohe Protestbereitschaft in der Bevölkerung, große Mehrheit für EU-Annäherung

Laut einer heute veröffentlichten Umfrage ist die Bereitschaft zu Demonstrationen in der Ukraine auch acht Monate nach dem Sturz des Janukowytsch-Regimes noch hoch. Eine Protestmüdigkeit wie nach der Orangenen Revolution 2004 scheint bis dato nicht eingesetzt zu haben. 38,1% der Bürger sind demnach bereit, erneut auf die Straße zu gehen, sollte die Regierung ihre Versprechen nicht erfüllen und keine Politik der Reformen einleiten. Zwar vertrat mit 49% die Mehrheit der Befragten die gegenteilige Position, jedoch reicht bekanntlichermaßen die Beteiligung nur eines Bruchteils der Gesamtbevölkerung aus, um eine Regierung mit andauernden Massenprotesten in Bedrängnis zu bringen. Insofern ist die Zahl der zum Protest bereiten beeindrucken hoch und die Regierung entsprechend gefordert, Ergebnisse zu liefern.

Demonstranten mit ukrainischen und EU-Flaggen am 27. November 2013 in Kiew

Der Euromaidan in Kiew am 27. November 2013 (Quelle: Wikimedia Commons / Jewgeni Feldman)

Die vom Kiewer Gorschenin-Institut durchgeführte Studie untersuchte auch die Meinung der Bürger zur außenpolitischen Orientierung ihres Landes. Eine große Mehrheit von knapp 64% sprach sich dabei für eine Annäherung an die EU aus. Demgegenüber wünschten sich nur knapp 14% eine Integration ihres Landes mit den ehemaligen Sowjetrepubliken Russland, Weißrussland und Kasachstan – was einen Beitritt der Ukraine zu Putins Zollunion bedeuten würde.

Einem möglichen NATO-Beitritt ihres Landes stehen die Ukrainer dagegen weiterhin skeptischer gegenüber. Dennoch würde sich eine Mehrheit von gut 53% gern als Teil des Nordatlantikbündnisses sehen. Ein Drittel (fast 34%) sprach sich dagegen aus. Befürworter des NATO-Beitrittes, die aktuell eine Volksabstimmung zu dieser Frage anstreben, hätten demnach gute Chancen auf einen Sieg.

Für die Umfrage wurden insgesamt 2.000 Menschen in allen Regionen der Ukraine – außer der annektierten Krim und den Kriegsregionen Luhansk und Donezk – befragt.

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