Gute Presse gegen Bares: Ukrainische Medien lassen sich im Wahlkampf bezahlen

Gute Presse gegen Bares: Ukrainische Medien lassen sich im Wahlkampf bezahlen

Bezahlte Beiträge sind seit Jahr und Tag ein großes Problem der ukrainischen Medienlandschaft. Politiker und Parteien bezahlen Fernsehsender, Zeitungen und Websites dafür, dass sie Berichte bringen, die sie in einem guten Licht erscheinen lassen. Wie die Direktorin des Instituts für Massenmedien, Oksana Romanjuk jetzt mitteilte, hat sich an dieser Praxis der als Nachrichten getarnten Werbung auch nach dem Sturz des Janukowytsch-Regimes wenig geändert.

Fernsehteam bei der Arbeit

Fernsehteam bei der Arbeit: Berichterstattung – oder doch Wahlwerbung?
(Quelle: Andrew Butko)

Romanjuk benannte gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraina auch die größten Kunden in diesem Geschäft. Eine landesweit durchgeführte Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass 27% der bezahlten Beiträge in Printmedien von der Partei „Sylna Ukrajina“ (deutsch „Starke Ukraine“) in Auftrag gegeben wurden, 20% vom „Oposyzijnyj blok“ („Oppositionsblock“) und 16% von der Tymoschenko-Partei „Batkiwschtschyna“ („Vaterland“). Sylna Ukrajina ist die Partei von Serhij Tihipko, dem ehemaligen Vizevorsitzenden von Wiktor Janukowytschs „Partei der Regionen“ (PR). Der Oposyzijnyj blok ist das Projekt anderer ehemaliger PR-Politiker, die – der Name sagt es – der durch den Euromaidan ins Amt gebrachten Regierung kritisch gegenüberstehen.

Bei der politischen Schleichwerbung in Internetmedien führt Tymoschenkos Partei mit 23% der bezahlten Beiträge, gefolgt vom Oposyzijnyj blok mit 21% und der Partei „Sastup“ („Spaten“) mit 14%. Dahinter folgen die Kommunistische Partei und Oleh Ljaschkos Radikale Partei.

Schockierend kann man das Ergebnis einer Untersuchung der ukrainischen Fernsehlandschaft auf bezahlte Beiträge nennen. Die Journalistin Natalija Lyhatschowa von der Organisation „Telekrytyka“ teilte mit, dass deren Zahl im Vorfeld der Parlamentswahl sprunghaft angestiegen sei. Zwischen 29. September und 4. Oktober habe man auf den sieben landesweiten Programmen sage und schreibe 97 solcher Auftragsarbeiten identifiziert und zwischen 6. und 11. Oktober gar 129.

Romanjuk und Lyhatschowa sind sich einig, dass der in der Ukraine als „Revolution der Würde“ bezeichnete Sturz des Janukowytsch-Regimes bisher nur wenig positive Auswirkungen auf die Gepflogenheiten in den Medien gehabt habe. Positiv sei lediglich, dass die Einflussnahme der Regierung auf die Medien im Vergleich zu früheren Wahlkämpfen deutlich zurückgegangen sei. Die ukrainische Staatsmacht hatte in der Vergangenheit nicht davor zurückgeschreckt, ihre Vorteile gegenüber den Oppositionsparteien, die sogenannten „administrativen Ressourcen“, zu missbrauchen, um die Medienberichterstattung in ihrem Sinne zu manipulieren.

Quelle: NEWSru.ua

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