Gründerin von Internetprojekt „Deti-404“ wegen „homosexueller Propaganda“ verurteilt – Sperre durch Medienaufsicht droht

Gründerin von Internetprojekt „Deti-404“ wegen „homosexueller Propaganda“ verurteilt – Sperre durch Medienaufsicht droht

Ein Gericht in Nischni Tagil im Ural (Gebiet Swerdlowsk) hat die Gründerin des Projekts „Deti-404“, Jelena Klimowa, in erster Instanz wegen „Propaganda nichttraditioneller sexueller Beziehungen unter Minderjährigen“ zu einer Geldstrafe von 50.000 Rubeln (derzeit ca. 670 €) verurteilt. Eine Sperrung der Internetseiten von Deti-404 könnte bevorstehen.

Logo des Projekts Deti-404

Logo des Projekts Deti-404
(Quelle: http://deti-404.com)

Ziel des Internetprojekts ist es, homo-, bi- und transsexuelle Minderjährige und deren Angehörige zu unterstützen, die in der mehrheitlich konservativen russischen Gesellschaft häufig Diskriminierungen ausgesetzt sind. Auf der Website des Projekts und seinen Seiten bei Facebook und VK werden Briefe von Jugendlichen und deren Eltern veröffentlicht, in denen diese von ihren Erlebnissen und Schwierigkeiten im Alltag berichten. Den häufig ohne Kontakt zu anderen LGBT-Menschen lebenden Jugendlichen soll so vermittelt werden, dass sie mit den besonderen Schwierigkeiten, denen sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgesetzt sind, nicht allein sind. Das Projekt arbeitet mit Psychologen und Juristen zusammen, die bei Bedarf kostenlos ihre Beratungsdienste anbieten.

Der Name des Projekts, das außerhalb Russlands auch unter der Übersetzung „Children-404“ bekannt ist, spielt auf den HTTP-Fehlercode 404 an, der angezeigt wird, wenn beim Surfen im Internet eine gesuchte Seite nicht gefunden werden konnte. Die Journalistin Jelena Klimowa und ihre Mitstreiter kümmern sich so um Kinder, die es gar nicht geben dürfte – zumindest, wenn es nach der russischen Politik und Mehrheitsmeinung geht.

Deti-404

„Ich will nicht unsichtbar sein!“ – auf der Projekt-Website veröffentlichtes Foto
(Quelle: Wikimedia Commons / Iwan Simotschkin)

Zu dem Prozess gegen Klimowa kam es, weil die Jugendorganisation der Kreml-Partei Einiges Russland, die „Junge Garde“, die russische Generalstaatsanwaltschaft und die Medienaufsicht „gebeten“ hatte, das Projekt auf seine Gesetzeskonformität zu überprüfen. Die Junggardisten verbreiteten die Nachricht über das Urteil auf ihrer Website und teilten bei der Gelegenheit die Annahme mit, dass dem Projekt nun auch eine Sperrung seiner Seiten im Internet bevorstehen dürfte. Schließlich sei der Schuldspruch die amtliche Bestätigung, dass der Tatbestand der „homosexuellen Propaganda“ erfüllt sei.

Im November vergangenen Jahres hatte Deti-404 eine Ermahnung der Medienaufsicht „Roskomnadsor“ erhalten, den Rahmen der russischen Gesetze einzuhalten. Vor fast genau einem Jahr hatte es zudem schon einmal ein Verfahren gegen Jelena Klimowa wegen desselben Vorwurfs gegeben. Dieses wurde damals jedoch eingestellt, da kein strafwürdiges Verhalten festgestellt werden konnte.

Quelle: NEWSru.com

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