Büros des krimtatarischen Fernsehsenders ATR durchsucht

Büros des krimtatarischen Fernsehsenders ATR durchsucht

Die Institutionen der Krimtataren und deren Vertreter sind weiterhin Repressalien von Seiten der russischen Staatsmacht ausgesetzt. Wie Medien berichteten, wurden so bereits am 26. Januar die Räumlichkeiten des Fernsehkanals ATR durchsucht. Beteiligt daran waren unter anderem Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Bei der Untersuchung wurden der Server mit dem Videoarchiv des Fernsehsenders sowie persönliche Daten der Mitarbeiter beschlagnahmt. ATR musste vorübergehend den Sendebetrieb einstellen.

Unter Druck: der krimtatarische Fernsehsender ATR

Unter Druck: der krimtatarische Fernsehsender ATR
(Quelle: atr.ua)

Als Grund für die Durchsuchung wurde offiziell die Suche nach Beweismaterial genannt. Demnach ging es um eine Demonstration von Befürwortern und Gegnern eines Anschlusses der Krim an Russland vor dem Krimparlament in Simferopol, die am 26. Februar 2014 stattgefunden hatte. Dabei sollen mehrere Personen verletzt und zwei zu Tode gekommen sein. Die staatlichen Organe – so hieß es – hätten den Fernsehsender aufgefordert, die Videoaufzeichnungen, die ATR vor Ort gemacht hatte, herauszugeben, was bis heute nicht geschehen sei.

Mitarbeiter des Senders widersprachen dieser Darstellung. Das geforderte Bildmaterial sei den staatlichen Stellen längst zur Verfügung gestellt worden. Vielmehr wolle man mit der Durchsuchung und dem Eindringen zum Teil maskierter und mit Maschinenpistolen bewaffneter Polizisten in die Redaktionsräume wohl Druck auf den als „oppositionell“ geltenden Fernsehkanal ausüben. Erst im Herbst vergangenen Jahres hatten staatliche Stellen den Sender wegen seiner Berichterstattung des „Extremismus“ bezichtigt – eines Vergehens, das laut russischer Rechtsprechung mit mehreren Jahren Haft bestraft werden kann.

Für möglich gehalten wird auch, dass die jetzt durchgeführte Durchsuchungsaktion mit der Veröffentlichung eines Interviews mit Igor Girkin in Zusammenhang steht. Der mutmaßliche Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes Girkin alias „Strelkow“ war maßgeblich an der russischen Operation zur „Heimholung“ der Krim beteiligt und später auch im Donbass aktiv. In besagtem Interview erklärte er, die Abgeordneten des Krimparlaments seien von ihm und seinen Mitstreitern mit Waffengewalt dazu gezwungen worden, die notwendigen Beschlüsse zur Einleitung des Anschlusses der Krim an Russland zu fassen. Er widersprach damit der offiziellen Version einer freien Entscheidung der Abgeordneten. Möglicherweise wollten die Krim-Behörden Bildmaterial, das Girkins Aussagen stützen könnte, unter Kontrolle bringen.

Das Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden gegen ATR wurde international unterdessen verurteilt. Die Beauftragte der OSZE für Medien, Dunja Mijatović, erklärte, eine Einmischung in die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien durch OSZE-Staaten sei unzulässig und forderte eine schnellstmögliche Wiederaufnahme des Sendebetriebs. Ebenso protestierte das türkische Außenministerium gegen den Vorgang. Die Türken, die sich den Krimtataren traditionell besonders verbunden fühlen, hatten trotz der schnell fortschreitenden Verschlechterung der Lage der Krimtataren lange geschwiegen.

Quelle: NEWSru.com

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