Umfrage: Comeback für Julija Tymoschenko?

Umfrage: Comeback für Julija Tymoschenko?

Man hatte sie schon abgeschrieben. Bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im vergangenen Jahr konnte Ex-Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko nicht an alte Erfolge anknüpfen. Vor allem der Ausgang der Parlamentswahl, bei der ihre Partei nur 5,7% der Stimmen erreichte, war für Tymoschenko eine herbe Enttäuschung. Mit Autokrat Wiktor Janukowytsch schien auch dessen Widersacherin in der Versenkung zu verschwinden. Im Gegensatz zu anderen ukrainischen Spitzenpolitikern hatte Tymoschenko die entscheidenden Wochen des Euromaidan nicht bei den Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew verbringen können, sondern saß fernab in Charkiw im Gefängnis.

Julia Timoschenko auf dem Euromaidan

22. Februar 2014: Julija Tymoschenko spricht nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis auf dem Euromaidan
(Quelle: Wikimedia Commons / Mstyslaw Tschernow)

Die neueste Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie scheint nun die These, dass die Zeit der 54-Jährigen längst abgelaufen sei, zu entkräften. Vom 27. Juni bis zum 9. Juli wurden dazu insgesamt 2044 Ukrainerinnen und Ukrainer zur politischen Stimmungslage befragt. Stünden jetzt Präsidentschaftswahlen an, würde Amtsinhaber Petro Poroschenko demnach zwar den ersten Platz holen, jedoch dicht gefolgt von Julija Tymoschenko. Alle anderen Kandidaten scheinen chancenlos. Mit gehörigem Abstand landet Oleh Ljaschko, dessen Radikale Partei im vergangenen August noch in den Umfragen führte, auf dem dritten Platz. Erstaunlich schwach fällt auch die Unterstützung für Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk und Kiews Bürgermeister Vitaly Klitschko aus.

Bekundete Wahlabsicht des Teils der Befragten, die an einer Präsidentschaftswahl teilnehmen würden:

26,9% – Petro Poroschenko (Block Petro Poroschenko)
25,6% – Julija Tymoschenko (Vaterland)
8,5% – Oleh Ljaschko (Radikale Partei)
8,5% – Anatolij Hryzenko (Bürgerliche Position)
7,9% – Andrej Sadowyj (Selbsthilfe)
5,7% – Dmytro Jarosch (Rechter Sektor)
4,4% – Jurij Bojko (Oppositionsblock)
2,6% – Olha Bohomolez
2,4% – Arsenij Jazenjuk (Volksfront)
2,2% – Oleh Tjahnybok (Freiheit)
1,3% – Vitaly Klitschko (UDAR)
4,1% – Sonstige

Vor einem Monat lag Julija Tymoschenko noch bei 17%. Auch ihre Partei scheint im Aufwind, während man den Wert für Ministerpräsident Jazenjuks „Volksfront“ als katastrophal bezeichnen muss. Bei den Wahlen im vergangenen Oktober wurde sie noch mit 22% stärkste Kraft, heute würde sie klar an der 5%-Hürde scheitern. Umgekehrt sieht es beim Rechten Sektor aus: 2014 scheiterte er klar an der Sperrklausel, heute zöge er – wenn auch knapp – ins Parlament ein.

Bekundete Wahlabsicht des Teils der Befragten, die an einer Parlamentswahl teilnehmen würden:

Von der stärksten Kraft zur Splitterpartei: Ministerpräsident Jazenjuks „Volksfront“

23,5% – Block Petro Poroschenko
22,7% – Vaterland
12,2% – Selbsthilfe
10,2% – Radikale Partei
7,2% – Oppositionsblock
5,5% – Bürgerliche Position
5,4% – Rechter Sektor
3,9% – Freiheit
2,8% – Volksfront
2,1% – Starke Ukraine
1,9% – Kommunistische Partei der Ukraine
1,6% – UDAR
0,3% – Demokratische Allianz
0,7% – Sonstige

Gleichbleibend schwach scheint die Unterstützung für die Gegner des Euromaidan. Der Oppositionsblock kommt auf 7,2% (bei der letzten Wahl waren es 9,4%). Fast 90% der potenziellen Wählerstimmen – und damit sogar noch mehr als bei der Wahl 2014 – könnten die Kräfte auf sich vereinigen, die für den Sturz des Janukowytsch-Regimes eingetreten waren.

Quelle: LB.ua

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