Poroschenko-Kandidat gewinnt Nachwahl in Tschernihiw - Wahlbeteiligung im Keller

Poroschenko-Kandidat gewinnt Nachwahl in Tschernihiw – Wahlbeteiligung im Keller

Serhij Beresenko vom Block Petro Poroschenko hat die Parlaments-Nachwahl in Tschernihiw gewonnen. Er erhielt nach Angaben der Zentralen Wahlkommission 35,9% der abgegebenen Stimmen. Auf dem zweiten Platz landete mit 14,76% Hennadij Korban, der Kandidat der Partei UKROP, die als Projekt des Oligarchen Ihor Kolomojskyj gilt.

Rivalen Beresenko und Korban

Rivalen Beresenko und Korban (v. l.)
(Quelle: Wikimedia Commons / Pavlotaras, Inter)

Die Wahl in der etwa 150 km nördlich von Kiew gelegenen Großstadt hatte bereits im Vorfeld für Aufsehen erregt, weil die beiden aussichtsreichsten Kandidaten Beresenko und Korban des Stimmenkaufs bezichtigt wurden. Korbans Wahlkampfstab etwa hatte in der Stadt Zelte aufgestellt, in denen kostenlos Mahlzeiten und Lebensmittel ausgegeben wurden.

Am Wahltag selbst kam es zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten. So wurde bekannt, dass Wähler eine SMS erhalten hatten, in der ihnen angeboten wurde, ihre Stimme zu kaufen. In mehreren Wahllokalen tauchten Personen mit gefälschten Presseausweisen auf, um den Ablauf der Wahl zu beobachten. Obwohl Schlägertrupps in der Stadt gesichtet wurden, kam es nicht zu den befürchteten Ausschreitungen.

Bemerkenswert ist ebenso, dass am Wahlabend mehrere Meinungsforschungsinstitute Ergebnisse sogenannter Exit-Polls (also Befragungen von Wählern direkt nach dem Urnengang) veröffentlichten, deren Ergebnisse sich widersprachen. Das Institut Sozis sah Beresenko mit 31,4 zu 17,1% in Führung, das Charkiwer Unternehmen New Image Marketing Group dagegen sagte Korban einen Sieg mit 33 zu 23% voraus. Es liegt der Verdacht nahe, dass mindestens eine der Umfragen der Unterstützung eines bestimmten Kandidaten dienen sollte.

Trotz der breiten Berichterstattung über die Wahl, auch in Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen die beiden aussichtsreichsten Kandidaten, fiel die Wahlbeteiligung enttäuschend niedrig aus. Nur 35,32% der Wahlberechtigten zog es an die Urnen. Für den bekannten ukrainischen Journalisten Witali Portnikow liegt ein Grund dafür darin, dass viele der Kandidaten keinen Bezug zu ihrem Wahlkreis hatten und sich wenig um die Belange ihrer potentiellen Wähler kümmerten. Wahlsieger Beresenko etwa stammt gebürtig aus dem 400 km entfernten Winnyzja, verbrachte aber praktisch sein ganzes Leben in Kiew. Hennadij Korban kommt aus Dnipropetrowsk, wo er bis vor kurzem noch als rechte Hand des Oligarchen und Ex-Gouverneurs Ihor Kolomojskyj tätig war. In der Ukraine ist es zweifelhafte Tradition, dass man sich nicht um der Politik willen um ein Abgeordnetenmandat bemüht, sondern aus Prestige- oder geschäftlichen Gründen oder im Auftrag eines Oligarchen, um dessen Interessen im Parlament zu vertreten. Obwohl die „Revolution der Würde“ viele engagierte Aktivisten des Euromaidan ins Parlament gespült hat, besteht diese Tradition offenbar fort.

Quellen: LB.ua 1, 2, 3; NEWSru.ua

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