"Foreign Policy": Ukrainische Politiker nutzen Armut ihrer Wähler aus

„Foreign Policy“: Ukrainische Politiker nutzen Armut ihrer Wähler aus

In einer Nachlese zu den Parlamentsnachwahlen in Tschernihiw zieht das Magazin „Foreign Policy“ ein bitteres Fazit. Die schlechte wirtschaftliche Lage vieler ukrainischer Haushalte mache Wählerstimmen immer billiger, so Autor Jewhen Worobjow. Der in Tschernihiw zu vergebende Parlamentssitz sei praktisch versteigert worden, wobei die örtlichen mit den zugereisten Kandidaten nicht mithalten konnten.

Bettlerin in der Ukraine

Je ärmer die Menschen, desto billiger ihre Stimmen…
(Quelle: Mstyslaw Tschernow)

Worobjow weist darauf hin, dass Tschernihiw eine der ärmeren Städte der Ukraine sei. Das Durchschnittseinkommen liege hier bei nur 86% des Wertes auf nationaler Ebene. Der Wahlkampf wäre eigentlich der richtige Zeitpunkt zu diskutieren, mit welchen Maßnahmen sich das ändern ließe. Nicht so in der Ukraine: hier öffnen die Kandidaten einfach ihre Parteikasse zum Stimmenkauf, so der Autor.

Hennadij Korban, der Kandidat des Oligarchen Ihor Kolomojskyj, verteilte großzügig Lebensmittel und Mahlzeiten. Fast 40.000 Menschen, und damit fast jeden dritten Wahlberechtigten, soll er damit erreicht haben. Serhij Beresenko soll dagegen auf sogenannte „Sozialverträge“ gesetzt haben. Er engagierte pro forma jede Menge Wahlkampfhelfer. In Wirklichkeit sollen diese aber nicht für ihre Wahlkampfarbeit, sondern schlicht für ihre Stimme bezahlt worden sein.

In dem Artikel zitiert der FP-Autor den Wahlkampfexperten Jewhen Radtschenko, der basierend auf Befragungen behauptet, dass die meisten der ärmsten Wähler bereit wären ihre Stimme schon für 20 Dollar zu verkaufen. Bei den Tschernihiwer Verhältnissen hieße das, dass man für günstige 1,5 Millionen Dollar die ärmsten 50% der Wählerschaft hätte kaufen können, rechnet Worobjow vor. Es sei nicht unwahrscheinlich, so sein deprimierendes Fazit, dass auch die nächsten Wahlen in der Ukraine zu einem Kaufwettbewerb um die Stimmen der sozial Benachteiligten würden.

Quelle: Foreign Policy

 

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