Luxus-Uhr auf Hochzeitsfoto: Nawalny bringt Putin-Sprecher Peskow in Erklärungsnot

Luxus-Uhr auf Hochzeitsfoto: Nawalny bringt Putin-Sprecher Peskow in Erklärungsnot

Putins Pressesprecher Dmitri Peskow feierte am Samstag Hochzeit mit Eistanz-Olympiasiegerin Tatjana Nawka, worüber auch in der deutschen Presse zu lesen war. Die Party stieg im „Rodina Grand Hotel & Spa“ in Sotschi, dem – wie russische Medien schreiben – „teuersten Boutique-Hotel der Schwarzmeerküste“.

Nawalny Peskow Uhr

Putin-Pressesprecher Dmitri Peskow: Armbanduhr für über 500.000 €
(Quelle: Navalny.com)

Peskows Gäste ließen es sich nach der Feier nicht nehmen, Fotos des Hochzeitspaares im Internet zu veröffentlichen. Diese bringen den 47-Jährigen jetzt in Erklärungsnot. Denn der Oppositionspolitiker und Antikorruptions-Aktivist Alexei Nawalny wies in seinem Blog auf den exorbitanten Preis der Armbanduhr hin, die am Handgelenk des Bräutigams zu sehen ist.

Peskow hat 2014 offiziell knapp 9,2 Millionen Rubel (etwa 135.000 €) verdient, die Luxus-Uhr der Marke „Richard Mille“ aber kostet über 500.000 € (wie etwa hier im „Billionaire Shop“), also etwa das Vierfache von Peskows Jahresgehalt. Für Nawalny ist der Fall klar, in seinem Post ätzt er:

Was wir auf den Fotos von der „Hochzeit des Jahres“ sehen, das ist nicht einfach eine Hochzeit, sondern einfach ein klassisches Beispiel „illegaler Bereicherung“. Eine Uhr im Wert einer Eigentumswohnung ist vorhanden, legale Einkünfte zum Kauf einer solchen Uhr jedoch nicht.

Auch wenn Putins Sprecher die Uhr von jemandem geschenkt worden wäre, wäre er damit nicht aus dem Schneider. Denn der Sohn eines Diplomaten begann noch zu Sowjetzeiten seine Karriere im Moskauer Außenministerium, ist also schon eine gefühlte Ewigkeit Beamter. Und für Beamte gelten in Russland die gleichen Regeln wie in vielen anderen Ländern auch: Geschenke anzunehmen – zumal von solchem Wert – ist streng untersagt.

Peskow hätte also ein solch großzügiges Geschenk, das mit seinem Wert die kritische Marke von 3.000 Rubeln natürlich um ein Vielfaches übersteigt, seinem Arbeitgeber anzeigen und übergeben müssen. Es wäre ihm nach neuestem russischen Recht sodann freigestellt, dem Staat das betreffende Objekt zum Marktpreis abzukaufen. Wofür ihm offiziell jedoch das Geld fehlen müsste.

Der frisch Verheiratete sah sich angesichts der Medienberichterstattung offenbar genötigt, die Sache aus der Welt zu räumen und erklärte in Interviews mit dem Wirtschaftsnachrichtendienst RBK und dem Radiosender Echo Moskwy, die Uhr sei ein Geschenk seiner Frau zum Tag der Hochzeit gewesen. Ein solches Geschenk innerhalb der Familie wäre freilich legal.

Beide Medien weisen jedoch darauf hin, dass es Fotos gibt, die Peskow schon lange vor der Hochzeitsfeier mit fraglicher Armbanduhr zeigen. Eines davon veröffentlichte Peskows Tochter auf Instagram bereits im April.

Umso peinlicher wirkt im Nachhinein der Rettungsversuch, den Oleg Mitwol schon vor Peskows Interviews unternommen hatte. Es waren Hochzeitsgast Mitwols Fotos, die Nawalny in seinem Post aufgegriffen hatte. Wohl im Wissen, dass er durch die Veröffentlichung der Bilder seinen Freund Peskow in eine missliche Lage gebracht hatte, behauptete er gegenüber der Boulevardzeitung Moskowski Komsomolez, die Uhr habe gar nicht dem Bräutigam gehört, sondern einem der Gäste. Peskow habe die Uhr nur kurz für die Fotos getragen, weil er genau gewusst habe, welche Reaktion diese in der Öffentlichkeit auslösen würden. Man habe sich einen Scherz erlaubt. Für Gelächter dürfte am Ende jedoch nur Mitwols hilflos wirkender Erklärungsversuch gesorgt haben.

Alexei Nawalny

Anti-Korruptions-Aktivist Alexei Nawalny, 2012
(Quelle: Wikimedia Commons / Mitja Aleschkowski)

Peskow ist keineswegs der erste Vertreter der russischen Elite, der mit einem Luxus-„Chronographen“ am Arm erwischt wurde. Die Unsitte, sich mit solch absurd teuren Dingern zu schmücken, ist weit verbreitet.

Als besonders peinlich blieb der Fall des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill in Erinnerung, der mit einer „Breguet“ für recht bescheidene 30.000 Dollar erwischt wurde. Besonders peinlich deshalb, weil man das gute Stück auf einem offiziellen Foto dilettantisch wegretuschiert hatte. Das Spiegelbild der Uhr auf der glänzenden Tischplatte, auf der der Arm des orthodoxen Oberhirten lag, hatte man dummerweise übersehen.

Umso schlimmer natürlich, wenn wie im Fall Peskow der Preis so ganz und gar nicht mit den offiziell deklarierten Einkünften zusammenpassen will. Dass letztere mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben dürften, sollte jedem klar sein.

In russischen Medien wurde im Übrigen auch darüber spekuliert, wer die Kosten für Peskows und Nawkas Hochzeitsfeier bezahlt. Wie die Nachrichtenseite Bloknot berichtete, soll der Oligarch Oleg Deripaska für alle Unkosten aufkommen. Die Seite beruft sich dabei auf eine Quelle in der Hotelverwaltung. Deripaska ließ den Bericht umgehend dementieren.

Quellen: NEWSru.com, Nawalny, RBK, Moskowski Komsomolez, Bloknot

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