Zensur: Swerdlowsker Gebiet verbannt Bücher des Soros-Fonds aus Bibliotheken

Zensur: Swerdlowsker Gebiet verbannt Bücher des Soros-Fonds aus Bibliotheken

Auf Initiative des Föderationsrates wurde kürzlich eine Sperrliste ausländischer Organisationen erstellt, die angeblich die konstitutionelle Ordnung der Russischen Föderation gefährden. Auf die Liste schaffte es auch der Open Society-Fonds von George Soros.

Der britische Historiker Antony Beevor

Insbesondere Bücher des Historikers Antony Beevor sind in den Bibliotheken der Region nicht länger gewünscht
(Quelle: Wikimedia Commons / Bjørn Erik Pedersen)

Das Bildungsministerium des Swerdlowsker Gebiets in Jekaterinburg ordnete nun an, dass sämtliche vom Open Society-Fonds herausgegebenen Bücher aus den Bibliotheken der Bildungseinrichtungen der Region entfernt werden müssen.

Insbesondere geht es dabei um die Bücher der britischen Historiker Antony Beevor und John Keegan über den Zweiten Weltkrieg. Das Ministerium teilte dazu mit, die Ausgaben der beiden „propagandieren Stereotype aus der Zeit des Dritten Reichs“ und seien deshalb „für Studierende und Lehrpersonal unzugänglich zu machen“.

Dem Beschluss vorangegangen war ein Artikel in der Zeitung Iswestija, in dem schwere Vorwürfe gegen den Soros-Fonds erhoben wurden. Dieser habe ein „Spinnennetz von Organisationen über ganz Russland gezogen“ und die „nötige Ideologie eingeschleust“ „mit dem Ziel, Russland zu schwächen“.

Die Bildungseinrichtungen sind aufgerufen, bis zum Ende des Sommers Vollzug zu melden. Zur Begründung erklärte ein Vertreter der Jekaterinburger Behörde gegenüber NEWSru.com: „Viele Historiker, russische und ausländische Experten, meinen, dass in Büchern solcher Autoren wie John Keegan und Antony Beevor Informationen über die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges falsch ausgelegt werden und widersprechen den historischen Dokumenten, die von Propagandastereotypen des Nazismus durchdrungen sind.“

In der Tat kritisieren nicht nur russische, sondern auch Historiker anderer Nationalitäten die Werke Antony Beevors, insbesondere das 2002 erschienene „Berlin. The Downfall 1945.“ (deutsch 2005: „Berlin 1945. Das Ende.“). Ein zentrales Thema des Buches sind Gräueltaten sowjetischer Soldaten gegen die Zivilbevölkerung – insbesondere massenhafte Vergewaltigungen von Frauen. In Russland stieß das Buch auf vehemente Ablehnung. Der russische Botschafter in London erklärte dazu, es handele sich um eine „Verleumdung des Volkes, das die Welt vom Nazismus befreit hat.“

Die Verbannung der Werke Beevors aus den Bibliotheken im Swerdlowsker Gebiet erfährt jedoch auch Kritik durch zahlreiche russische Historiker. Am schärfsten äußerte sich Iwan Kirilla von der Europäischen Universität in Sankt Petersburg: „Die Idee, dass es nötig sei, Fachbücher aus ideologischen Gründen aus den Bibliotheken zu entfernen, ist selbst Faschismus.“ Man sollte die umstrittenen Werke besser „durch gute russische Arbeiten ergänzen“ und in den Schulen „ernsthaft über den Krieg diskutieren“.

Quellen: NEWSru.com, Iswestija

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